Bankkarten künftig mit Chip für digitale Signatur ausgestattet

9. Februar 2005, 10:37
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Noch spärliche Verwendung der "elektronischen Unterschrift" soll angekurbelt werden - Finz: "Weltpremiere" - Bis Ende 2005 rund 200.000 Nutzer erwartet - Jahresgebühr bei 13 Euro

Das Finanzministerium will die noch spärliche Nutzung der digitalen Signatur für den Behördenverkehr ankurbeln. Neue Bankkarten (Bankomat- bzw. Maestro-Karten) werden daher mit einem Chip für die "elektronische Unterschrift" ausgestattet, der dann auf freiwilligen Wunsch des Kartenbesitzers bei einer Registrierungsstelle aktiviert werden kann. Auch der kostenlose Umtausch von alten in neue, signaturfähige Karten ist ab sofort möglich. Die Erwartungen für die tatsächliche Nutzung der Signatur sind allerdings relativ gering. Finanzstaatssekretär Alfred Finz (V) sprach dennoch von einer "Weltpremiere".

6,5 Mio. Maestro-Karten und eine weitere Million MasterCards in Österreich im Umlauf

Bis 2007 werden alle österreichischen Maestro-karten und MasterCards mit dieser Zusatzfunktion ausgestattet sein, prognostizierte Europay Austria-Geschäftsführer Peter Neubauer heute bei einem Pressegespräch. Aktuell seien 6,5 Mio. Maestro-Karten und eine weitere Million MasterCards in Österreich im Umlauf. Die Bankkarte sei das "ideale Trägermedium" für die digitale Signatur "a.sign Premium", da die Karte höchste technische und Sicherheitsstandards erfülle und im Alltag nicht mehr wegzudenken sei.

200.000 Freischaltungen

Bis Ende 2005 erwarte man 200.000 Freischaltungen bzw. User, berichtete der e-business-Leiter der BAWAG und Vorsitzender der Zertifizierungsstelle A-Trust, Robert Krickl. Bis 2007 soll diese Zahl konservativen Schätzungen auf 800.000 User steigen, der Erfolg hänge vor allem von den Anwendungen für die digitale Signatur ab. Aktuell gibt es in Österreich 30.000 Nutzer der digitalen Signatur, wobei 10.000 davon Studenten der Wirtschaftsuniversität sind, in deren Studentenausweise ein Signatur-Chip integriert ist.

"Neue Qualität"

Die digitale Signatur bietet eine "neue Qualität der Sicherheit", Datenmissbrauch und gefälschte E-Mails und Homepages - so genanntes Phishing - werde damit entgegengewirkt, betonte Krickl. Österreich nehme mit der flächendeckenden Ausgabe von Chips für die digitale Signatur auch in der EU eine Vorreiterrolle ein.

Für die Wirtschaft biete die digitale Signatur eine "neue Qualität für die Geschäftsabwicklung und den Behördenkontakt", die Ausgabe der signaturfähigen Bankkarten stelle den Beginn einer "neuen Ära" dar, pflichtete der stellvertretende Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Reinhold Mitterlehner, bei. Man gehe davon aus, dass bis Ende 2005 der Großteil der öffentlichen Ausschreibungen elektronisch sein werde, dabei spiele die digitale Signatur eine große Rolle. Allein bei der elektronischen Rechnungslegung und Online-Zustellung seien Einsparungen von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr für die Unternehmen zu erwarten, so Mitterlehner.

Jahresgebühr bei 13 Euro

Die Aktivierung des Signatur-Chips kostet einmalig 12 Euro, die Jahresgebühr beträgt 13 Euro. Zur Übertragung der Daten ins Internet wird ein Lesegerät benötigt. Die ersten 200.000 Geräte werden mit je 5 Euro von Finanzministerium und Europay gefördert, ein gefördertes Lesegerät koste damit 15 bis 46 Euro, hieß es heute. Die entsprechende Software wird vom Bundeskanzleramt vorerst gratis zur Verfügung gestellt. Aktiviert werden kann der Signatur-Chip bei einer der aktuell 170 Registierungsstellen (vor allem Banken) in Österreich. Bis Ende 2005 sollen es - unter Einbeziehung des Telekom- und Elektrohandels sowie der Post - rund 400 Registrierungsstellen sein.

Code aus Buchstaben und Zahlen

Die digitale Signatur - ein Code aus Buchstaben und Zahlen - stellt sicher, dass Dokumente oder Rechnungen gegen nachträgliche Veränderung geschützt sind und der Rechnungsempfänger eindeutig als Absender erkennbar ist. Einsatzmöglichkeiten für die "elektronische Unterschrift" sind E-Banking, das Ver- und Entschlüsseln von Nachrichten, E-Government (etwa Behördenverkehr mit dem Finanz- und Zollamt oder Sozialversicherung), E-Billing, E-Procurement (Ausschreibungen), E-Business (zwischen Unternehmen), E-Commerce (zwischen Unternehmen und Verbrauchern).

E-Banking mit elektronischer Signatur wird bisher nur von einzelnen Banken unterstützt, bei der BAWAG und den Österreichischen Volksbanken (ÖVAG) funktioniert die Anwendung bereits, bei der Raiffeisenzentralbank ist bereits die PC-Anwendung ELBA Electronic Banking im Einsatz, die die digitale Signatur unterstützt. Auch andere Banken sollen in naher Zukunft nachziehen. (APA)

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