Fit heißt menschenfreundlicher

7. Februar 2005, 14:15
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An Österreichs technischen Universitäten herrscht eklatanter Mangel an weiblichen Studierenden. Initiativen wie "Frauen in die Technik" versuchen dem Problem beizukommen. Die USA zeigen, wie es anders gehen könnte

Edeltraud Hanappi-Egger erinnert sich an subtile und auch offene Feindseligkeiten, die man der damaligen Informatikstudentin an der TU Wien entgegenbrachte. Von Fragen, warum sie als gar nicht "hässliche" Frau ein technisches Studium gewählt habe, bis hin zu Kommentaren von Professoren, Frauen sollten zurück an den Herd, reichte die Palette an diskriminierenden Aussagen in den Achtzigerjahren, erinnert sich die heutige Leiterin des Arbeitsbereiches "Gender and Diversity in Organizations" an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Dass es den technischen Universitäten noch immer nicht nur an einem frauen-, vielmehr an einem "menschenfreundlichen Umfeld" fehle, konstatiert auch Sabine Prokop, Projektleiterin der Initiative FIT Wien (Frauen in die Technik), die Mädchen höherer Schulen für technisch-naturwissenschaftlichen Studien interessieren möchte. Dieses Umfeld sei ein Grund unter mehreren dafür, dass sich Mädchen eher für traditionell "weibliche" Ausbildungen entscheiden würden. Und somit für geringere Gehälter und schlechtere Jobaussichten. Deshalb bietet FIT im Februar Schnuppertage an.

Denn der Studentinnenanteil an der TU in Wien und Graz beläuft sich auf geringe zwanzig Prozent. Wobei klassische Ingenieursfächer wie Maschinenbau nur rund sieben, die gefürchtete Elektrotechnik gar nur fünf Prozent Frauen aufweisen. Da kommen Initiativen wie FIT oder giTi (girls IT information), eine Initiative des "Wissenschafterinnenkollegs Internettechnologien" der TU Wien, gerade recht, um Schülerinnen Lust auf technisch-naturwissenschaftliche Studien zu machen. Mit gutem Erfolg, wie die Projektleiterin von FIT Steiermark, Johanna Klostermann, erhob. "Seit neun Jahren schon veranstalten wir die Schnuppertage für Mädchen. In dieser Zeit ist in Graz die Zahl der Inskribientinnen von dreizehn auf dreiundzwanzig Prozent gestiegen." Auch die Montanuniversität in Leoben verzeichne seit ihrer Teilnahme an FIT einen wachsenden Frauenanteil, so Klostermann.

Dass sich Frauen dennoch weit gehend von der Männerdomäne Technik abschrecken ließen, sieht Hanappi-Egger in der mangelnden Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbstkritik der Verantwortlichen begründet. Und bringt ein Beispiel, wie es anders gehen könnte: "Die Carnegie Mellon University in den USA schaffte es beispielsweise, den Anteil von Studentinnen im Computer Science Department von sieben auf zweiundvierzig Prozent zu erhöhen." Und die Frauen auch an der Uni zu halten. Und zwar mittels Maßnahmen, die über die heimischen hinausgingen. "Es wurden die Lehrenden gendergerecht ausgebildet, das Berufsbild kritisch hinterfragt. Dabei wurde in den Studienaufbau und die Organisationsentwicklung eingegriffen", so Hanappi-Egger. Ähn- liches erwartet sich die In- formatikerin für Österreich nicht, denn hier suche man immer noch "das Problem bei den Frauen" und begnüge sich statt eines Bekenntnisses zur Sache mit der Erfüllung vorgeschriebener Maßnahmen.

Ähnlich argumentiert Brigitte Ratzer, technische Chemikerin und Leiterin der Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies an der TU Wien. "FIT ist ein guter Beitrag, reicht aber allein nicht aus." So müsse man ein Klima schaffen, in dem sich "Frauen eingeladen fühlen". Außerdem müssten Studentinnen durch Mentoring oder Karrierecoaching auf ein ungewohntes Berufsumfeld vorbereitet werden. "Frauen verfügen noch immer über geringes Selbstvertrauen und Durchsetzungsfähigkeit." (Erika Müller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 1. 2005)

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