STANDARD-Interview: Geniales Werkzeug für die Regionen

7. Februar 2005, 13:58
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Georg Kreilinger, Chef dreier oberösterreichischer Technologiezentren, setzt ein neuartiges Qualitätsmanagementsystem für den Verband der Technologiezentren Österreichs (VTÖ) um. Warum die Zielgruppen davon nur profitieren sollten, erklärte er Martina Gröschl

STANDARD: Der Verband der österreichischen Technologiezentren will ein Qualitätsmanagementsystem für Technologie- und Impulszentren erarbeitet. Was ist das Ziel?

Kreilinger: Die österreichischen Technologie- und Impulszentren haben den Auftrag Regionalentwicklung zu machen und die technologische Jungunternehmerszene zu unterstützen. Dazu gibt es derzeit von der Struktur her in den Bundesländern unterschiedliche Ansätze. Die Ansprache der Zielgruppen wie Jungunternehmer, Technologiefirmen oder Forschungsinstitute ist nicht einheitlich. Ebenso wie das Bild der angebotenen Dienstleistungen. Das wollen wir mit dem Projekte ändern. Die Zielgruppen sollen genau wissen, was sie von den Technologie- und Impulszentren erwarten können.

STANDARD: Gibt es Vorbildmodelle?

Kreilinger: Wir haben in Oberösterreich ein prozessorientiertes Qualitätsmanagement-system eingeführt. Da haben sich bereits viele Vorteile gezeigt. Die Zielgruppen kennen sich besser aus. Wir können unser Leistungsspektrum genau anpassen, sind zielgerichteter und effizienter. Zur Qualitätssicherung wird jährlich überprüft, ob das System auch richtig abgewickelt wird. Müsste jedes regionale Technologie- oder Impulszentrum für sich allein entwickeln, wie es etwa seine Förderberatung durchführt, hieße das, das Rad jedes Mal neu zu erfinden.

STANDARD: In Oberösterreich sind allein in den letzten sechs Jahren 15 Technologie- und Impulszentren entstanden. Warum?

Kreilinger: Das Programm 2000plus spielte dabei eine große Rolle. Wir hatten einerseits die guten Forschungseinrichtungen im Zentralraum. Aber wir brauchten auch eine Ausbreitung in die Regionen hinaus. Die Idee war, dass jeder Bezirk ein Technologiezentrum haben sollte. Wir haben zwar nur 18 Bezirke, da wir aber zusätzliche Schwerpunkte gelegt haben, sind jetzt insgesamt 21 Projekte entstanden. Nun sind wir flächendeckend vorhanden.

STANDARD: Was sehen Sie als die Aufgabe der Technologie-und Impulszentren?

Kreilinger: Die Philosophie ist, dass die Zentren Transfereinrichtungen sind. Sie dienen als Vermittler zwischen den Betrieben in der Region und der zentralen Einheiten der Wissenschaftshochburgen wie beispielsweise für Oberösterreich die Johannes-Kepler-Universität in Linz. Weiters können Technologiezentren regionale Projektaufgaben optimal lösen. Sie können zusammen mit der Wirtschaft die technologischen Weiterentwicklungen in den Regionen vorantreiben. Sie stärken damit auch die Jungunternehmer und KMUs vor Ort.

STANDARD: Wo besteht abgesehen vom Qualitätsmanagement Verbesserungsbedarf?

Kreilinger: Ich denke, dass Technologie- und Impulszentren ein geniales Werkzeug sind für Regionen, die von den Infrastrukturen her noch nicht ganz optimal erschlossen sind. Sie sollten diese Impulse wahrnehmen und noch mehr Geschäftstätigkeit entwickeln. Das ist ein Punkt, der sicher in den nächsten fünf bis acht Jahren stärker verfolgt wird. Das Technologiezentrum Braunau hat zum Beispiel ein Prüfzentrum für die Kfz-Branche aufgebaut. Hintergrund ist, dass in der Region viele Zuliefer-betriebe für die großen Automobilfirmen sind. Prüfmöglichkeiten in der unmittelbaren Nähe hat es jedoch nicht gegeben. Technologie- und Impulszentrum sollten mehr solche Möglichkeiten wahrnehmen. Damit liefern sie für die Infrastruktur einen ganz wichtigen Beitrag. Das hilft auch, sich selbst zu finanzieren. Denn es ist ein erklärtes Ziel, ohne Förderungen auszukommen. Das Technologiezentrum Braunau trägt sich seit vier Jahren selbst.

STANDARD: Welche Möglichkeiten hat das Zentrum Braunau neben der Kfz-Prüfstelle noch wahrgenommen?

Kreilinger: Das Basiswerkzeug ist die Unterstützung regionaler Unternehmer bei der Unternehmensgründung und -entwicklung. Darüber hinaus sind wir ein Internet-Service-Provider. Wir bieten Breitbandinternet und -telefonie an. Wiederum weil wir die Notwendigkeit gesehen haben. Die Breitbandinitiative in Oberösterreich wird gemeinsam mit den Technologiezentren umgesetzt. Der Vorteil ist, dass sie in der Region den Bedarf kennen.

STANDARD: Besteht die Gefahr, dass Technologiezentren einander in die Quere kommen?

Kreilinger: Ein Zentrum pro Bezirk ist vernünftig. Technologie- und Impulszentren haben im Grunde ein Einzugsgebiet von 20 bis 30 Kilometern. Dadurch ist eine natürliche Aufteilung des Gebietes gegeben. In Regionen, in denen sich viele Betriebe angesiedelt haben, machen auch schwerpunktorientierte Zentren Sinn, die näher beieinander liegen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 1. 2005)

  • Artikelbild
    foto: vtö/techno-z braunau
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