Freie Sicht für den Augenarzt

7. Februar 2005, 14:15
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Wie das Austrian Grid bei Diagnosen zur immer wertvolleren Ressource wird

Es geht um besseres Sehen, to see, und die richtigen Akronyme waren schnell gefunden: SEE-KID, Software Engineered Environment for Knowledge-based Interactive eye motility Diagnostics, bezeichnet die 3-D-Simulation des menschlichen Auges für chirurgische Eingriffe. SEE++ heißt die Software dazu, und SEE-Grid ist ihre Version im Rechennetz Austrian Grid.

Das Grid ist auch nötig. Denn bei den vielen Details, die in die Berechnungen der Muskelaktivitäten eines Auges eingehen und die noch dazu interagieren, wächst der Rechenbedarf enorm an. Bisher, sagt Thomas Kaltofen vom Software Hagenberg bei Linz, habe der Arzt das Krankheitsbild sozusagen händisch nachgebaut, um die Operation vorweg simulieren zu können.

SEE-KID gibt ihm die Möglichkeit der automatischen Berechnung und mehrerer Lösungsvorschläge. "Bei nur einem Parameter braucht ein normaler PC 20 Minuten für die Berechnung, ein Supercomputer immer noch ein bis zwei Minuten. Wir haben aber etliche Parameter. Das wird für eine gründliche Diagnose zu langsam."

Also arbeitet Kaltofens Abteilung für medizinische Informatik bei Upper Austrian Research mit dem Forschungsinstitut für symbolisches Rechnen RISC an der Linzer Uni zusammen, um die Software ins Netz zu bringen. Wolfgang Schreiner, Informatiker am RISC, sieht als Ziel, "dass der Augenarzt nur mehr das Front End vor sich hat und auf die visualisierte Diagnose ohne Komplikationen zugreifen kann". Darum sollen die Daten über das Institut für grafische und parallele Datenverarbeitung (GUP) ins österreichische Grid fließen. Kommende Woche werden erste Tests stattfinden.

Parallel arbeitet Kaltofens Institut an einer Datenbank, die ebenfalls ins Grid soll, damit die SEE-Berechnungen optimiert werden können. "Dort wird alles gesammelt und für neue Operationen zur Verfügung gestellt, die Wissensbasis für Ärzte also ständig erweitert. Das geht in Richtung evidence-based medicine." Eine Augenklinik in San Francisco und Krankenhäuser in Zürich, Linz und St. Pölten sind als Partnerinstitutionen bereits Nutznießer der erweiterten Computerbasis.

Ein vergleichbares Projekt wird am GUP für Herzoperationen entwickelt. Die Ressourcen werden in dem Maß größer, in dem das österreichische ins europäische Grid eingebunden wird. Und IBM und die WHO stellten vor Kurzem das World Community Grid vor, an dem man sich mit seinem eigenen Computer beteiligen kann. (mf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 1. 2005)

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