Acht Slides zum Erfolg

8. Februar 2005, 14:24
posten
Kaum ein Programm hat den Alltag von Organisation so geprägt wie Powerpoint. Sie haben was zu sagen? Dann bitte in einprägsamen Schlagwörtern, Bullet Points (die einzelnen Unterpunkte einer Powerpoint-Präsentation), kleinen Witzfiguren, vielen Charts und kräftigen Farben, mit spektakulären Überblendungen und Tönen vermixt.

Powerpoint ist überall, bei internen Firmentreffen, externen Präsentationen, auf der Uni, beim Militär und in der Kirche, um die jüngsten Austrittsziffern zu analysieren. 30 Millionen Präsentationen, so schätzte Microsoft vor ein paar Jahren, werden täglich erstellt. Einen Vortrag ohne Powerpoint zu halten kann so schlecht wirken, wie falsch gekleidet zu sein; zumindest ein wenig altmodisch kommt man weg, wenn man nur auf gute Rhetorik und persönliche Wirkung vertraut.

Natürlich hat Powerpoint seine unbestreitbaren Vorzüge. Wer kein begnadeter Redner ist, tut sich leichter, einen Vortrag zusammenzustellen und zu halten. Informationen, die per Powerpoint vermittelt werden, wird höhere Bedeutung zugemessen. Das heißt zwar auch, es blufft sich leichter mit Powerpoint - aber das Dilemma ist: Warum soll man auf den Effekt verzichten, gute Informationen damit noch aufzuwerten?

Mit Powerpoint kauft man jedoch auch eine bestimmte Organisationskultur ein - zumindest wenn man auf die Vorlagen zurückgreift, die es gibt. Ob es darum geht, eine zündende Idee zu finden ("Brainstorming" - acht Slides bis zur Umsetzung der besten Ideen in Taten) oder die Überbringung einer schlechten Nachricht (sieben Slides, bis die Zuversicht und Moral des Publikums wieder verbessert sind), mit Powerpoint übernehmen wir als Vortragende die stereotypen Schablonen der Vorlagen.

Darum ist eine homöopathische Dosierung von Powerpoint angebracht. Denn wenn die Präsentation besonders glänzt, verschwindet dahinter die Persönlichkeit des Präsentators. Wer dabei nicht untergehen will, der muss darauf achten, weiterhin selbst das Solo zu spielen - und Powerpoint nur die Begleitmusik zu übertragen. (Der Standard, Printausgabe 29./30.1.2005)

Share if you care.