Triebfeder: Leidenschaft

21. Juli 2005, 09:53
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Stephan Eberharter fasziniert die High Potentials der Siemens Academy of Life mit seiner Authentizität...

Die Fragen nach seinem Erfolgsgeheimnis beantworten sich aus seiner inneren Struktur - Tipps hat er aber schon.

Stephan Eberharter ist nach seinem Ausstieg aus dem Skizirkus nicht auf dem Weg vom Sportstar zum Businessman. Nach 29 Weltcupsiegen, Olympiagold, -silber und -bronze will er jetzt eine Auszeit. Ruhe. Unbefristet. "Mut zum Innehalten", formuliert er das, was er seinen gegenwärtigen "Schwebezustand" nennt. Er will Leben nachholen und zu Hause sein. "Nach 25 Jahren Hotelleben aus dem Koffer brauche ich Auszeit - mein Körper verlangt auch danach." Der aktuelle Arbeitsplan beschränke sich auf einen Uniqa-Werbevertrag und eine Moderationsreihe für den ZDF. Geldsorgen hat er ja mittlerweile nicht mehr.

Die Hitze der Bewunderung brauche er nicht. Das vierjährige Tief vor seinem Comeback Ende der 90er-Jahre habe ihn auch entsprechend geprägt. Eberharter weiß, wo unten und oben ist. Diese Sinuskurve sei Schwerarbeit gewesen: "Wenn das jeder könnte, wären alle ganz oben und Supermanager."

Insofern blieb sein Erfolgsweg auch jenes Geheimnis, das größtenteils in seiner inneren Struktur zu finden ist, als er am vergangenen Donnerstag in Wien von Workshop-Gruppen der Siemens Academy of Life, einer Plattform für High Potentials aus verschiedenen Wirtschaftszweigen, zum "Wie" seiner Leistungen befragt wurde.

Leidenschaft, sagt er rund 300 Academy-Studenten, die teils via Siemens, teils via STANDARD den begehrten einjährigen Academy-Studienplatz erhalten hatten, habe ihn immer getrieben.

Dass Authentizität die Grundfeste seines Lebens ist, vermittelte er auch, als er um "Tipps" gebeten wurde: "Niemals verstellen." Er habe während seiner aktiven Zeit nie einen "inneren Verzicht gespürt". Deshalb sei es "richtig" gewesen. "Gott sei Dank hatte ich nie einen seelischen Konflikt, sonst hätte ich die Durststrecken auch nicht durch gestanden."

Er habe Verschleißerscheinungen deutlich gespürt, was zu seinem Ausstieg im vergangenen September geführt habe. Wissen, wann Schluss ist, sei wichtig.

Mit seiner inneren Struktur beantwortet der Zillertaler auch alle Fragen nach Vorbildern und Leitmotiven: Als Jugendlicher hätten ihn Klammer und Stenmark fasziniert. "Dann, so ab 15, hatte ich keine Vorbilder mehr, ich wollte meine Ziele erreichen." Wen er jetzt am liebsten treffen würde? "Keine Promis, sondern Menschen, die ehrlich was erreicht haben und mit denen ich über das Leben reden kann."

Was Eberharter dem begeisterten Auditorium vermittelt, nämlich bei sich zu bleiben, Ziele zu definieren und die mit ganzem Herzen zu verfolgen, kleidet er nicht in Schlagwortsprache, sondern erzählt unprätentiös. Das fasziniert die Zuhörer, macht ihn nahbar.

Ob er "gerne spektakulärer" wäre, fragt eine Academy-Studentin: "Nein, mein Charakter ist Ruhe." Wie denn dann punktgenau 100 Prozent Leistung möglich seien? "Volle Konzentration", antwortet er. Wieder die innere Struktur: "Mein Körper war einfach aktionsbereit."

Vor seinem Comeback hat er eine Loslass-Erfahrung gemacht: "Ich habe mich befreit vom Druck des Siegenmüssens" - und dann hat er gesiegt. (kbau, Der Standard, Printausgabe 29./30.1.2005)

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    Stephan Eberharter

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