Rechnungsprüfer kritisieren US-Zivilverwaltung

1. Februar 2005, 15:06
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Keine Belege über Verwendung von überwiesenen neun Milliarden US-Dollar: "Lieber mehr bezahlt" um Unruhen zu vermeiden

Washington - Die nach dem Krieg in Irak eingesetzte US-Zivilverwaltung kann nach Angaben von US-Rechnungsprüfern nicht belegen, was mit an irakische Behörden überwiesenen knapp neun Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) geschah. In dem Zeitraum vom Juni 2003 bis zur Übergabe der Macht an eine irakische Übergangsregierung im Juni 2004 habe es keine ausreichenden Kontrollen gegeben, ob das Geld für die vorgesehenen Aufgaben eingesetzt worden sei, rügte Sonderprüfer Stuart Bowen in einem am Sonntag in Washington veröffentlichten Bericht über die Provisorische Koalitionsbehörde (CPA).

"Außergewöhnliche Umstände"

Deren ehemaliger Chef Paul Bremer wies die Vorwürfe harsch zurück. Man könne nicht einfach westliche Haushalts- und Buchhaltungsprozeduren "mitten in einem Krieg anwenden", erklärte Bremer. Auch das US-Verteidigungsministerium erklärte, bei der Rechnungsprüfung müssten "außergewöhnliche Umstände" berücksichtigt werden. "Wir stimmen nicht der Schlussfolgerung zu, dass die CPA nicht die notwendige Kontrolle ausgeübt habe", sagte Pentagon-Sprecher Bryan Whitman.

Die Rechnungsprüfer wiesen unter anderem darauf hin, dass etliche irakische Behörden wesentlich mehr Sicherheitskräfte auf ihren Lohnlisten geführt hätten, als tatsächlich nachweisbar gewesen seien. Ein Ministerium habe beispielsweise 8.206 Mann Wachpersonal geltend gemacht, nur 602 hätten aber nachgewiesen werden können. Die CPA habe dies damit begründet, man habe lieber mehr bezahlen wollen, als das Risiko einzugehen, das jemand nicht bezahlt wird und daraus Unruhe entstehen könnte. (red/APA/AP)

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