Fiat: Streit mit General Motors spitzt sich zu

3. Februar 2005, 17:47
6 Postings

Nachdem es im Streit Fiat-GM zu keinem Kompromiss kam, kann Fiat den Amerikanern ab Mittwoch seine Autosparte andienen. GM will lieber zahlen als übernehmen

Der für das Wochenende erhoffte Kompromiss im Milliardenpoker um den angeschlagenen italienischen Autobauer Fiat kam nicht zustande. Ab Mittwoch kann nun Fiat seinem US-Partner General Motors (GM) seine Autosparte andienen. Angeblich wird noch fieberhaft über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Am Dienstag tagt der GM-Verwaltungsrat in Detroit.

Als Ausgleich soll GM bereit sein, 1,8 Mrd. Euro zu zahlen, um den hochverschuldeten Autokonzern nicht übernehmen zu müssen. Sicher ist nur, dass GM nicht die geringste Absicht hat, den defizitären Autokonzern aus Turin zu übernehmen.

Denn als GM-Chef Rick Wagoner im Jahr 2000 mit dem damaligen Fiat-Präsidenten vereinbarte, ab 2004 (der Termin wurde auf 2. Februar 2005 verschoben) Fiat Auto ganz zu übernehmen, sobald sich die Turiner zum Verkauf entschließen, war es nicht nur Fiat besser gegangen, sondern auch GM.

Keine Dritte Baustelle

Nun hat GM in Europa mit Opel und Saab bereits zwei Baustellen und möchte durch Fiat nicht eine dritte aufmachen. Um aus den Vertrag auszusteigen, muss GM zahlen. "Die Option ist ein Asset", besteht der stahlharte Fiat-Konzernchef Sergio Marchionnen auf das Verkaufsrecht.

Fiat fordert bis zu drei Mrd. Dollar, um die Amerikaner von ihrer Optionsfessel zu befreien. Nicht sicher ist, ob der in finanziell trübem Fahrwasser befindliche US-Konzern für die Put-Option tatsächlich bezahlen will.

Alternative wäre ein langwieriger Rechtsstreit, denn GM vertritt die Ansicht, dass sich die Vertragsbedingungen durch die Fiat-Kapitalerhöhung und den Verkauf des Autofinanzierers Fidis verändert haben. Das Abkommen des Jahres 2000 sieht vor, dass GM nicht nur Fiat Auto, sondern auch dessen Schulden (acht Mrd. Euro) ganz übernimmt und in bar bezahlt.

Der Hauptsitz bliebe für fünf Jahre in Turin, Fiat hat bei der Bestellung des Verwaltungsrates ein Mitspracherecht. "Dieser Vertrag könnte Wagoner das Genick, zumindest aber den Posten kosten", heißt es in Mailänder Finanzkreisen.

Für Fiat Auto könnte ein endloser Rechtsstreit das Ende bedeuten. Alleine können die Turiner nicht überleben, die Milliarden-Finanzspritze vom US-Partner wäre zumindest eine Verschnaufpause. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.01.2005)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Turiner Autobauer bräuchten Milliarden, um ihrem Konzern wieder Leben einzuhauchen. GM will es nicht tun.

Share if you care.