"Der Mann wird für zwei bezahlt"

2. Februar 2005, 07:00
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Lohn für Hausarbeit forderte Käthe Schirmacher schon vor hundert Jahren, denn sie sei "Vorbedingung für männliche Berufsarbeit"

"Wenn die Hausfrau Stoffe zu einem Kleidungsstück, Mehl, Eier und Butter zu Kuchen, einen Meter Seide zu einem Lampenschirm verarbeitet, so ist diese Hausfrau, was man auch sage, ein Produzent ... wäre der Mann, von Anbeginn der Zivilisation an, verpflichtet gewesen, jeden Tag sein Zimmer zu fegen, sein Bett zu machen, seinen Markt und seine Küche zu besorgen, seine Kleider zu nähen und seine Kinder zu hüten, er hätte unmöglich seinen Geist bilden, erfinden und entdecken können", schrieb die deutsche Frauenrechtlerin Käthe Schirmmacher in ihrer Publikation "Die Hausfrauenarbeit im Hause, ihre ökonomische, rechtliche und soziale Wertung" im Jahr 1905 und schloss daran die Forderung, die Hausarbeit zu entlohnen.

Reproduktionsarbeit als Basis

Mit der Bewusstmachung des wirtschaftlichen Werts der Hausarbeit, die sie als Basisarbeit und folglich ebenso produktiv und nicht nur reproduktiv einschätzte, stellte Käthe Schirmacher politische Fragen, die nicht ganz neu waren. Bereits 1879 hatte August Bebel in seinem Klassiker "Die Frau und der Sozialismus" die These vom Konnex Produktion und Reproduktion aufgestellt, wonach die Frau aufgrund der unentlohnten Reproduktionsarbeit Unterdrückte des Kapitalismus sei und zwar noch vor dem Arbeiter.

Käthe Schirmachers Schrift löste nichts desto trotz eine hitzige Debatte aus. Denn wenn, so die Frauenrechtlerin, Frauen als Töchter, Ehefrauen oder Dienstmägde "zu allen Zeiten" unentgeltliche häusliche Arbeit leisteten, verhalte es sich dann wirlich so, dass Männer ihre Hausfrauen "ernähren", dass Hausfrauen ihr Brot nicht durch eigene Berufstätigkeit verdienen? Oder verdanke der Mann nicht das, was er sei, der "Aufopferung der Frau?"

Beispiel Witwenpension

Käthe Schirmacher war der Überzeugung, dass die Hausarbeit der Fraue eine wesentliche Vorbedingung für die männliche Berufsarbeit sei: "Der Mann wird für zwei bezahlt, weil sein Arbeitgeber, sei es der Staat oder ein Privater, die berufliche Leistung des Mannes nur dann erhalten kann, wenn er den Mann in Stand setzt, sich bei der ihm unentgeltlichen Hausarbeit durch eine Frau vertreten zu lassen". Als Beweis für diesen Sachverhalt führte sie die Witwenpension an. Hier zahle der Staat nun der Witwe direkt, "was er ihr früher durch ihren Mann als Mittelsperson zukommen ließ". (dabu)

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    Käthe Schirmacher (1865-1930)
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