Archäologe entwirft Bild vom Neandertaler als Sänger mit hoher Stimmlage

4. Februar 2005, 14:26
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Stephen Mithen geht nach Kehlkopfuntersuchung von "eher weiblichem und vermutlich sehr melodischem" Klang aus

London - Neandertaler - früher oft als ungeschlachte Höhlenbewohner ohne eigene Kultur karikiert, was von der Forschung in den letzten Jahrzehnten deutlich korrigiert wurde - waren laut einer neuen Untersuchung sensible Wesen mit hohen Stimmen, die sich vielleicht sogar Lieder vorsangen. Der englische Archäologieprofessor Stephen Mithen leitet dies aus einer Untersuchung des Kehlkopfes der altsteinzeitlichen Menschenart ab. "Was sich da ergibt, ist das Bild einer intelligenten Kreatur mit komplexem Gefühlsleben, die wahrscheinlich teils mit Sprache, teils mit Gesang kommuniziert hat", sagte der Forscher der "Sunday Times".

Mithen verglich den Kehlkopf der Neandertaler mit dem von Menschen, Menschenaffen und kleineren Affen und versuchte herauszufinden, wie sich die Laute angehört haben müssen, welche die Neandertaler damit von sich gaben. Seine Schlussfolgerung lautet: Ihre Stimmen waren laut, vom Klang her eher weiblich und vermutlich sehr melodisch. "Sie müssen zur Weitergabe von komplexen Ideen und sogar von Spiritualität fähig gewesen sein. Ihre Anatomie deutet darauf hin, dass die Tonhöhe und die Sprechmelodie dabei eine Schlüsselrolle gespielt haben." Mithen will seine Erkenntnisse im Juni in dem Buch "Der singende Neandertaler" veröffentlichen.

Schon mehrfach haben Forscher in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass der Neandertaler ein Kulturwesen war, das als erste Menschenart Kleidung anfertigte und seine Toten mit Grabbeigaben bestattete. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nachbildung eines Neandertalers im Informationszentrum Notre Dame in Eichstätt.

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