Meine Arbeit, keine Arbeit

1. Februar 2005, 18:28
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Trotz positiver Wifo-Studie stoppt Wirtschaftsminister Roma-Projekt

Vielleicht ist das letzte Wort doch noch nicht gesprochen: Jedenfalls wird das in Oberwart von der Caritas betriebene Beschäftigungsprojekt "Mri Buti" vom Wirtschaftsministerium derzeit "geprüft", und zwar streng nach Vorschrift. Denn: "Eine Förderung als Equal-Projekt des Europäischen Sozialfonds war aufgrund der Bewertung des Projektes durch das unabhängige Equal-Büro Österreich und den Equal-Begleitausschuss nicht möglich."

In normalem Deutsch bedeutet das: "Mri Buti", das bisher von Bund, Land und EU kofinanziert wurde, soll keine Förderung mehr erhalten. Obwohl die Burgenländische Landesregierung bereits 250.000 Euro zugesagt hat, will Wirtschaftsminister Martin Bartenstein bis dato nicht nachziehen. Und das, obwohl ihm das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bereits im September 2004 das Gegenteil geraten hatte.

Verlust

Damals erhoben die Wirtschaftsforscher "die Lebenssituation der Roma in Oberwart zu Beginn des 21. Jahrhunderts". Sie kamen zu dem Ergebnis, dass ein "Abdrehen" von "Mri Buti" gleich mehrere fatale Folgen hätte: einen "Verlust der persönlichen und institutionellen Infrastruktur, die nur mit überproportional hohen Kosten wieder aufgebaut werden kann"; das Misstrauen der Roma gegenüber der Gesellschaft würde wieder verstärkt, es bestehe die Gefahr einer starken Demotivation jener Roma, die sich mit "Mri Buti" erstmals aktiv angesprochen gefühlt hätten; und schließlich habe Österreich ohne "Mri Buti" in der EU "nichts Positives bezüglich der Roma-Integration vorzuweisen". Schlussfolgerungen des Wifo: ",Mri Buti' wird von den Roma mitgetragen und gestaltet, es ist ein Instrument der Selbstentfaltung und unterstützt die Weiterbildung und Eingliederung in den Arbeitsmarkt; ,Mri Buti' generiert Mehrwert, indem die sozialökonomische Ausgrenzung verringert wird." Nur drei Monate nach Veröffentlichung dieser Studie verkündete das Wirtschaftsministerium das Aus für "Mri Buti". (stui/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2005)

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