Mediengruppe feratel setzt auf Tourismusanwendungen via Handy

6. Februar 2005, 16:17
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450.000 Euro Investitionen für die Entwicklung mobiler Dienste

Die börsenotierte Innsbrucker Mediengruppe feratel ist nach einer Phase der Konsolidierung mit dem Fokus auf Ergebnisverbesserung nun auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten in neue Geschäftsfelder. Die "Kriegskasse" sei rund 7 bis 8 Mio. Euro schwer, sagten die feratel-Vorstände Markus Schröcksnadel und Ferdinand Hager im technologischen Hauptsitz von feratel im Salzburger Pfarrwerfen vor Journalisten. Hoffnungen setzt die Gruppe, die sich auf Panorama-Bilder und auf Informations- und Reservierungssysteme für Tourismusregionen spezialisiert hat, in mobile Dienste.

450.000 Euro in die Entwicklung

feratel investiere jährlich bis zu 450.000 Euro in die Entwicklung von mobilen Anwendungen im Tourismusbereich wie das Abrufen von Hotelzimmerverfügbarkeiten oder von Panorama-Kamerabildern via Handy, berichtete Schröcksnadel. Für die Realisierung dieser Dienste habe man bereits Partnerschaften mit den österreichischen Handynetzbetreibern Mobilkom, T-Mobile, One und Hutchison ("3") geschlossen, in Deutschland arbeite man mit E-Plus zusammen, in den Niederlanden mit der KPN.

"Im Mobilfunkbereich sehen wir eine gute Möglichkeit für Zusatzeinnahmen", betonte Schröcksnadel. Allerdings müssten die Anwendung und Verrechnung der Dienste künftig einfacher werden, damit sie auch wirklich von den Handykunden angenommen werden, räumte Hager ein. Zusatzeinnahmen könnte künftig auch der Verkauf von touristischen Inhalten auf Internetseiten von Tourismusverbänden oder Skigebieten bringen, auf denen Panorama-Bilder der feratel zu sehen sind.

Panorama-TV

Im Bereich Panorama-TV, auf den knapp die Hälfte des feratel-Gesamtumsatzes entfällt, sei man kürzlich in Frankreich gestartet, berichtete Hager. Damit sei man nun in den 12 Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Italien, Belgien, Niederlande, Kroatien, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Frankreich mit 300 Kameras vor allem in Wintersportregionen aktiv. Expansionsmöglichkeiten sieht das Unternehmen, das bereits 1982 die erste Panorama-Kamera am Kitzsteinhorn in Kaprun aufgestellt hat, in Sommertourismus-Destinationen wie Spanien, Portugal und Griechenland. Hier könnten Kameras am Strand und in Städten aufgestellt werden.

Im Bereich Informations- und Reservierungssysteme, wo feratel im Wettbewerb mit der Online-Reise- und Buchungsplattform Tiscover steht, plant das Tiroler Unternehmen Projekte in Bulgarien, Ungarn und Slowenien. Mit feratel-Systemen wurden 2004 rund 430.000 Buchungen mit einem Buchungsumsatz von 100 Mio. Euro getätigt, was eine 20-prozentige Steigerung gegenüber 2003 darstellt. Größter feratel-Kunde in diesem Bereich ist die Tourismusregion Salzburg Stadt und Land, laut feratel das "größte Tourismus-IT-Projekt in Österreich".

Klage belastet

Das dritte Quartal 2004/05, das am 31. Jänner endet, werde durch eine Rückstellung von 290.000 Euro auf Grund einer Klage in Deutschland belastet, es sei aber dennoch mit Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis zu rechnen, sagte Hager. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 (per Ende April) setzte feratel mit 100 Mitarbeitern 15,7 Mio. Euro um. Im ersten Halbjahr 2004/05, das bei feratel auf Grund der Saisonalität der österreichischen Tourismusbranche traditionell negativ ist, erzielte das Unternehmen bei einem Verlust im Betriebsergebnis (EBIT) von 996.500 Euro einen Umsatz von 5,65 Mio. Euro.

Trotz eines stetigen Kursverfalls der Aktie, deren Emissionspreis beim Börsegang im Jahr 2000 bei 16,50 Euro lag und die zuletzt für 4,70 Euro gehandelt wurde, will Schröcksnadel keine Maßnahmen zur Vergrößerung des Streubesitzes oder zur Verbesserung der Handelbarkeit der Aktie tätigen. Veränderungen im Eigentümerbereich seien nicht geplant, betonte der feratel-Vorstand. Auch die bisherige Dividenenpolitik werde beibehalten, für 2003/04 werde 6 Eurocent je Aktie ausgeschüttet.

feratel gehört zu 50,3 Prozent dem ÖSV-Präsidenten und Vater des feratel-Vorstands, Peter Schröcksnadel, mehr als 15 Prozent hält Fonds "Media Small Cap Ltd.". 23,4 Prozent stehen laut Unternehmensangaben in Streubesitz, der Rest gehört privaten Investoren.(APA)

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