"iPod-User sind Cyborgs"

22. März 2005, 13:40
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Musik-Player und sein Besitzer verschmelzen laut Marketingprofessor zu einer Einheit

In einem Artikel von Wired kommt Markus Giesler, seines Zeichens Marketingprofessor an der York Universität in Toronto, zu dem Schluss, dass Apples iPod die UserInnen zu Cyborgs formt. Geisler, der Apples Musik-Player und seine Konsumenten in einer wissenschaftlichen Arbeit untersucht, sieht die zunehmende Verschmelzung zu einer Einheit von iPod und Besitzer.

"Technotransendenz"

Geisler ist einer von einer wachsenden Zahl an WissenschaftlerInnen, die den iPod als Basis ihrer Forschungen heranziehen. Der tragbare Musik-Player von Apple ist nicht nur ein verjüngter Walkman, sondern vielmehr ein Gerät, das seine NutzerInnen durch "Technotranzendenz" in Cyborgs verwandelt. Die AnwenderInnen würden durch die Nutzung von Technik das Hier und Jetzt verlassen, wie Kinder beim Spielen von Computer- und Videogames. Der iPod sei im Gegensatz zum klassischen Walkman ein Gerät, das die "hybride Unterhaltungsmatrix" anspreche - so Geisler - bei der Funktionen wie Random Shuffle kein Marketinggag sondern ein Schlüsselkonstrukt seien.

"Hybride Unterhaltungsmatrix"

Die hybride Unterhaltungsmatrix ist laut Giesler ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Technologien und Geräten - so etwa aus einem Computer, dem Internet, Online-Shops für Musik und Tauschbörsen. Alle diese Technologien und Netzwerke würden das Verhalten und Leben der UserInnen beeinflussen. Die unterschiedlichen Technologien würden zudem auch die Muster des Konsums verändern. Im Beispiel des Random Shuffle - für Geisler eine der Schlüsselkonstrukte der digitalen Unterhaltung - beim neuen iPod, der seinem User die Lieder vorgibt, würde sich dies ähnlich verhalten wie beim Zappen beim Fernsehen.

"iPod Therefore iAm"

Geisler ist über seine Webseite nun auf der Suche nach iPod-AnwenderInnen, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit dem tragbaren Musik-Player erzählen sollen. Daraus soll dann eine Studie mit dem Titel "iPod Therefore iAm" wachsen. iPod-UserInnen sind nach Ansicht Geisler Prototypen der so genannten "Cyborg Consumers" - also von Konsumenten, die verschiedenste Technologien nutzen und mit diesen immer mehr verschmelzen. Dem iPod attestiert der Wissenschaftler nicht nur die klassischen MP3-Player-Funktionalitäten, sondern vielmehr eine Verlängerung des Gehirns und des eigenen Körpers, der neben der Musiksammlung auch Namen, Adressen, Kalender und Notizen speichere. Ähnliche Untersuchungen gab es bereits zum Thema Mobiltelefon. Auch hier zieht Geisler Parallelen; AnwenderInnen würden durch die Vibrationen (im Falle des iPods) der Festplatte ein Gefühl von Lebendigkeit des Geräts vermittelt. Mit dem Verlust des Players - wie auch des Handys - würde ein Teil der eigenen Identität der AnwenderInnen verloren gehen.

Tauschbörsen

Geisler wurde schon vor einiger Zeit bekannt, als er eine Studie zum Thema Tauschbörsen veröffentlichte. Darin widersprach er der Musikindustrie und meinte, dass P2P-UserInnen innerhalb der Netzwerke relativ sicher seien und die Gefahr erwischt zu werden, nahezu bei Null liegen würde. Laut Wired will auch der britische Wissenschaftler Michael Bull im Frühjahr eine Studie zum iPod und seinen AnwenderInnen veröffentlichen. Der Professor der englischen Sussex Universität gilt als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der digitalen Geräte und ihrer Auswirkungen auf den Menschen.(red)

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