Der Zauber der Maske

9. Februar 2005, 21:06
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Masken haben eine lange Tradition und viele Gesichter. Sie können lachen oder weinen, gut oder böse sein ... Ein Test

Masken haben eine lange Tradition und viele Gesichter. Sie können lachen oder weinen, gut oder böse sein. Monika Sperber und Gerd Götzenbrucker versteckten sich einen Tag lang hinter ihnen und testeten ihre Faschingstauglichkeit.


Masken gibt es seit Urzeiten. Anscheinend hatten Menschen schon immer das Bedürfnis, ihr Gesicht zu verbergen und für kurze Zeit in andere Rollen zu schlüpfen. Aus dem Neolithikum sind Felszeichnungen von Masken tragenden, tanzenden Zauberern und Schamanen erhalten, Hopis und andere Indianervölker stellten Masken mit Gesichtern von Ahnen oder Naturgeistern her, und in Grabstätten legen Totenmasken Zeugnis von vergangenen Kulturen ab. Mithilfe des "zweiten Gesichtes" versuchten unsere Vorfahren, böse Geister und mit ihnen Krankheiten zu vertreiben oder Kontakt mit Göttern oder Ahnen herzustellen. Im Alpenraum haben sich einige Masken-Bräuche - insbesondere zu Fastnacht und Silvester - bis heute gehalten.

Das Theater hat aus der Maske eine Kunstform gemacht. In der griechischen Tragödie wurde die Gesichtsverkleidung als Mittel der Desindividualisierung eingesetzt, und auch die Commedia dell'Arte und das japanische No-Theater verwendeten immer wieder die gleichen kunstvoll stilisierten Figuren. Arlecchino, Colombina oder Pulcinella bevölkern bis heute so manchen Ballsaal. Verglichen mit ihnen erscheinen die närrischen Maskeraden in der Faschingszeit ziemlich banal.

Kriterien und Auswahl:

Erlaubt ist, was gefällt - Hauptsache, man hat Spaß hinter dem "zweiten Gesicht". Oder? Mitnichten! Für den Träger sind weit mehr Faktoren für einen gelungenen karnevalistischen Auftritt ausschlaggebend. So spielen Tragekomfort, Event-Kompatibilität und Außenwirkung bei der Narrenfreiheit eine entscheidende Rolle. Gerade bei der ironischen Verfremdung prominenter Köpfe ist die Passform - sprich: guter Sitz - das Um und Auf. Weiters ist es beim Maskenkauf empfehlenswert, auf Bewegungsfreiheit zu achten, also Larven zu wählen, mit denen man reden, essen, trinken oder auch rauchen kann. Auch Verarbeitung, Material und der Preis sollten beim Kauf einer Maske berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse:

Die Vollmaske Material: Plastik, Stoff; Richtpreis: 2,90 bis 20 € Hinter dieser Maske verschwindet das gesamte Gesicht und nimmt eine neue Identität an, deren Mimik sich nicht mehr verändert - die perfekte Verwandlung. Einzig die Rückseite mit dem Gummiband lässt noch einen Teil des Kopfes frei und sorgt für ein wenig "Belüftung". Zur Wahl stehen zeitlose Figuren wie etwa die klassische weinende und lachende Maske, edle, venezianische Gold- und Silbermasken, aber auch Trendiges aus der Tier- und Promiwelt, etwa ein kaum erkennbarer David Beckham. Sie alle sind zumeist aus Kunststoff oder Stoff gefertigt. Zweiteres ist wesentlich angenehmer und atmungsaktiver, aber heiß wird es auf jeden Fall. Mit den obligatorischen Nasen- und Mundlöchern ist Atmen und Trinken zwar kein Problem, beim Essen und Rauchen wird die Sache aber schon etwas komplizierter. Punkte: 8,2

Die Augenmaske Material: Leder, Stoff; 2,50 bis 15 €
Ein Alltime-Klassiker, der "Närrinnen" eine nahezu unendliche Palette an Spielarten bietet: Einmal zeigt sich die Augenmaske in elegantem Samt mit glitzernden Strasssteinen, ein anderes Mal in glamourösem Satin mit keckem Federkleid oder - wieder anders - in schlichtem Schwarz. Auch die Schnitte variieren: Von der schmalen Augenverkleidung mit engen Sehschlitzen über schräge "Katzenformen" bis hin zur klassisch breiten Augenmaske mit oder ohne Schleier bieten alle diese Modelle die optimale Verpackung für verführerische Augen-Blicke. Durch das Gummiband ist überdies eine optimale Passform gegeben. Da Nase und Mund bei der Augenmaske die größten Freiheiten haben, stellen Essen, Trinken und Rauchen keinerlei Problem dar. Die einfachste aller Masken, die - effektvoll kombiniert - große Wirkung hervorrufen kann und kreativen Geistern bei jedem Anlass ein verlässlicher Begleiter ist. Punkte: 7,0

Die Stabmaske Material: Stoff, Leder; 5 bis 10 €
Obwohl schon ein wenig aus der Mode gekommen, sind fantasievoll verarbeitete Vorhaltemasken noch heute der Inbegriff eines verführerischen Auftritts im Karnevalstreiben. Vor allem weibliche Festgäste nutzen das breite Spektrum des wortlosen Maskenspiels auf Redouten und Bällen, um so den gewünschten Tanzpartner für sich zu gewinnen. Der Umgang mit Stab und Maske sollte aber - gerade beim Tanz - geübt sein, gilt es doch, die Demaskierung bis zur mitternächtlichen Stunde hinauszuzögern. Da die Maske vor dem Gesicht gehalten wird, ist der Tragekomfort trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit nahezu optimal. Kombiniert mit Federkleid, Handschmuck und Strasselementen ein ausdrucksstarker und vor allem preisgünstiger Begleiter im närrischen Spiel der Verführung. Punkte: 6,8

Die Stülpmaske Material: Gummi, vereinzelt Stoff; 10 bis 100 €
Ihren Ursprung haben diese über den Kopf gezogenen Vollmasken in der afrikanischen Kultur; und auch bei uns spielen aufwändig geschnitzte Stülpmasken bei Krampus- und Perchtenumzügen traditionell eine große Rolle. Im Karneval reduziert sich das Kulturgut jedoch auf kommerzielle Gummiware, angesiedelt im Horror- und Sciencefiction-Milieu. Stülpt man sich diese Fratzenhelme über, bekommt man erst einmal klaustrophobische Zustände und ringt verzweifelt nach Atem und um Orientierung. Die Außenwirkung jedoch ist überwältigend, das ließ sich trotz eingeschränkten Gesichtsfelds ausmachen. Wer effektvoll inszenierte Kurzauftritte auf Kosten von Tragekomfort und Beweglichkeit schätzt, wird mit diesem Modell eine wahre Freude haben. Punkte: 5,3

Die Halbmaske Material: Plastik; 2,90 bis 10 €
Zusammen mit einem schwarzen Mantel und Federhut/ Dreispitz sind Halbmasken, die die obere Kopfhälfte bedecken und den Mund frei lassen, für Frauen und Männer gleichermaßen das Inkognito bei närrischen Ausschweifungen. Auch die Maskenvielfalt ist bestechend: Die Palette reicht von den klassischen Figuren der Commedia dell'Arte über spezielle Damenmasken bis hin zu Gestalten aus der Märchen- und Comicwelt. Doch so groß das Angebot, so groß auch die Enttäuschung in puncto Tragekomfort und Materialverarbeitung. Keine Spur mehr von handgefertigten, mit reichlich Stoff ausstaffierten Gesichtslarven. Heute wird auf billiges Plastik gesetzt, zum Teil lieblos verarbeitet und übergroß geschnitten. Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, dass gerade diese klassische Form der Maske - wie das Phantom der Oper oder der venezianische Pantalone - unter Zuhilfenahme einer "Bauanleitung" lieber selbst hergestellt wird. Punkte: 4,0

Die No-Maske Karnevalsfarben: ab 4 €; Aquafarben: ab 20 €
Dieses Wort hat nichts mit dem japanischen No-Theater zu tun, sondern wurde vom Testteam gewählt, um eine besondere Kategorie der Gesichtsverkleidung zu beschreiben: die Bemalung als Ausdruck der individuellen Verwandlung, wie es sonst keine andere vermag. Sofern es sich nicht um leicht verwischbare Karnevalfarben handelt, die oft auf der Schulter des Tanzpartners ein ungeliebtes Dasein fristen, sondern um haltbare Aquafarben, ist ein optimaler Tragekomfort gegeben. Nichts verschmiert, nichts verrutscht, und es gibt auch keine Probleme beim Essen und Trinken. Selbst ein passendes Kostüm ist nicht unbedingt vonnöten. Allerdings ist diese Form der Maskierung nur für wirkliche Könner geeignet, alle anderen sollten die Finger davon lassen. Und bei der Demaskierung wird es natürlich ebenfalls schwierig . . . Punkte: außer Konkurrenz
(DER STANDARD, Printausgabe vom 29./30.1.2004)

Die Autoren danken dem "Faschingsprinzen" in der Wollzeile für die Anprobemöglichkeit diverser Masken.

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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