29./30.1.: Erdäpfel now! - Von Claus Philipp

14. Februar 2005, 14:05
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Unglaublich, was man der heimischen Öffentlichkeit alles hineindrücken kann ...

Unglaublich, was man der heimischen Öffentlichkeit alles hineindrücken kann: Da haben drei kreative Herrschaften die Wahnsinnsidee, zum Gedankenjahr 2005 Kühe vors Belvedere zu treiben, Bombennächte nachzustellen, Identitätsausweise auszuteilen, am Heldenplatz Erdäpfel zu pflanzen oder Kreuze (ihre Farbe ist noch offen) für NS-Opfer aufzustellen - was denn auch prompt von den meisten denkenden Menschen in diesem Land als degoutant, wenn nicht gar als Verhöhnung, empfunden wird. Jedoch: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel findet das ganze Projekt trotzdem super, und weil man mit seiner Hilfe einiges an Geld locker machen kann, und weil Wiens Bürgermeister Michael Häupl letztlich doch nicht wirklich gegen diesen Mummenschanz ist, wird der Großevent unter dem berückenden Titel 25 peaces durchgezogen.

Erdäpfel now! McCare-Pakete bei McDonald's! Der gute Zweck heiligt die erbärmlichen Mittel. Die NS-Vergangenheit beseligt für die EU-Zukunft. Sicher, das mit dem "Modul Trümmerfrauen" hat man sich noch einmal überlegt, weil das mit den "Trümmerfrauen" - nein, das "trägt nicht". Tragen tut weiterhin aber das Projekt Bombennacht, nur läuft es jetzt unter "Ton-Licht-Installation" bzw. unter "Visualisierung" von Schrecken und Gewalt. Clever! Frei nach Friedrich Torbergs Tante Jolesch möchte man darauf nur sagen: Bewahrt uns vor allem, was noch eine "Visualisierung" ist.

Dem Öffentlichkeitsverständnis zufolge, das Wolfgang Lorenz und Eberhard Schrempf schon in Graz 2003 unter Beweis stellten und in dem sie jetzt von Georg Springer noch unterstützt werden, kann man nur hoffen, dass zumindest die Tourismuszahlen in Schwindel erregende Höhen steigen. Daher: Bitte nicht zu laut "bomben" - Klagszahlungen wegen Hörsturz sind bei 25 peaces ja vermutlich nicht einkalkuliert.

Eines sei den Gedenk-Masterminds bereits ins Stammbuch geschrieben: Unsinn bleibt Unsinn, auch wenn er staatstragend querdenkerisch mit einem Aufwand von rund zehn Millionen Euro aufgeblasen wird. Um Günter Nenning und seinen unsäglichen "Austrokoffer" ist es in den letzten Monaten verdächtig still geworden. Lorenz & Co, mit noch mehr Selbstbewusstsein ausgestattet, werden dafür sorgen, dass ihnen das nicht passiert. Profitieren werden von diesem Gedankenjahr letztlich also vor allem die Eventmanager und Kuratoren. (DER STANDARD, Printausgabe vom 29./30.1.2004)

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