Weder Nocken noch Rosen

9. Mai 2005, 14:10
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Die Ähnlichkeit mit dem Kärntner Nationalgericht Kasnocken hat - so meinen manche Autoren - den Nockbergen zu ihrem Namen verholfen, weil sie ähnlich dem köstlichen Gericht sehr "rund" sind.

Die Herleitung klingt gut, stimmt aber nicht. Nock leitet sich vom mittelhochdeutschen "hnac" ab, das Erhebung oder Berg bedeutet.

So mancher dürfte sich auch gewundert haben, auf dem Rosennock keine Rosen zu finden, wenn man von den Alpenrosen absieht, die meist Almrausch genannt werden. Auf dem zweithöchsten Berg des Nationalparks Nockberge - höher ist nur der Eisenhut, und zwar um einen Meter - wachsen aber herrliche Pflanzen sonder Zahl wie etwa die Bärtige Glockenblume, Enziane, Federnelke, Seifenkraut, Echter Speik, Arnika oder Bergazalee. Und unter der Zunderwand, deren Kalk mit dem umliegenden Silikatgestein kontrastiert, stößt man auf große Bestände des streng geschützten Kohlröserls.

Trotzdem: Der Name Rosennock ist sehr alten Ursprungs und hat etwas mit Toten zu tun. Und der Sage nach schläft im Berginneren ein ganzes verbanntes Heer, das nur auf den Tag wartet, erweckt zu werden, um gegen einen bösen Feind - woher immer der auch kommen mag - anzutreten.

Das Heer im Berg

Und "rund" ist der Rosennock - auf allen Wegweisern der Gegen Rosenock bezeichnet - ebenfalls nicht. Nach Süden, von wo er am häufigsten bestiegen wird, gibt er sich eher sanft und einladend, nach Norden aber bricht er in steilen Wänden ab.

Auf den Rosennock steigt man in erster Linie der Aussicht wegen, denn der Blick vom höchsten Punkt reicht von den Karawanken bis zum Großglockner, von den Karnischen Alpen bis zu den Niederen Tauern und zum Dachstein. Die "Ski-Autobahnen" von Kleinkirchheim übersieht man besser. Zu den Vorteilen zählt auch, daß man sich in einer herrlichen und nun zum Glück streng geschützten alpinen Landschaft bewegt.

Beim Abstieg sollte man unbedingt die Route über den malerischen Naßbodensee wählen, der zu den Juwelen des Nationalparks Nockberge gehört, in sehr heißen Sommern aber fast austrocknet. Und wem die Runde zu kurz ist, der kann sie etwa über den Predigerstuhl und die Erlacher Blockhütte erweitern. Bis zur 1636 m hoch gelegenen Erlacher Hütte besteht die Möglichkeit, mit dem Auto zu fahren, und es gibt einen Zubringerdienst mit Bussen.

Auf der roten Markierung (Nummer 170) geht es zuerst gemütlich auf einem Fahrweg bis zur Feldalm. Knapp vor der Hütte zweigt man links ab und gelangt über einen weiten Almboden (mit der nahen, aber unbewirtschafteten Weißensteinhütte) zum Gipfelhang und zum höchsten Punkt. Gehzeit ab Erlacher Hütte 2½ Stunden.

Nun auf der Anstiegsroute zurück, dann links abzweigen auf die rote Markierung Nummer 13, die zum Naßbodensee führt, den man nach einer Dreiviertelstunde erreicht. Weiter geht es durch ein kleines Tal (zuerst Markierung 13, dann 171), unterhalb der Feldalm gelangt man wieder zur Anstiegsroute und kehrt zur Erlacher Hütte zurück. Gehzeit ab Naßbodensee 1¼ Stunden.

Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz 800 m. Erlacher Hütte von Mai bis Oktober offen.

Freytag-Berndt WFK 222-1 (Bad Kleinkirchheim-Nationalpark Nockberge)

Von Bernd Orfer
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