Langlaufen zwischen Kalk und Urgestein

22. Jänner 2002, 19:00
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Der jährlich stattfindende Dolomitenlauf zwischen Lienz und dem Kärntner Oberdrauburg lockt jedesmal ein Feld von mehreren tausend Langläuferinnen und Langläufern an den Start.

Es ist dies - die Fernsehbilder zeigen es sehr deutlich - eine äußerst strapaziöse Konkurrenz, für die man eine gehörige Portion Kondition mitbringen muß. So mancher "Normalverbraucher" mag sich da abschrecken lassen, wenn er die erschöpften Loipenflitzer durchs Ziel fahren - und manchmal auch taumeln - sieht.

Nun ist der Dolomitenlauf sicherlich nicht jedermanns Sache, aber außerhalb dieses anspruchsvollen Wettbewerbs haben die Loipen zwischen Lienz und Lavant bzw. Nikolsdorf viel zu bieten. Die normalen, gut gespurten und markierten Loipen verlaufen fast immer in der Sohle des breiten Drautales, das sich erst bei der Kärntner Grenze verengt, und müssen als leicht bezeichnet werden.

Die wenigen, gemächlichen Anstiege etwa bei Tristach und Lavant sind nicht gerade kräfteraubend und machen den Lauf erst anregend und abwechslungsreich. Die harmlosen Abfahrten erhöhen den Reiz des Kurses. Die Loipen werden tadellos in Schuß gehalten, nur die Verbindung von Nikolsdorf nach Oberdrauburg ist nicht immer gespurt. Leider fehlen auch die Kilometerangaben.

Landschaftlich sind die Drautal-Loipen besonders schön, bewegt man sich doch zwischen Urgestein und Kalk, wobei die Wände des Rauchkofels und des Hochstadels mit seiner imposanten Nordwand - der höchsten in den Ostalpen - für eine besonders beeindruckende Szenerie sorgen. Der romantische - und historisch überaus interessante - Kirchbichl von Lavant setzt dem Ganzen ein weiteres Glanzlicht auf.

Zwischen Lienz und Lavant findet man eine Doppelspur vor, teilweise auch eine Skatingbahn, von Lavant bis zur Runde bei Nikolsdorf ist die Loipe einspurig, was aber bei der relativ geringen Frequenz kaum eine Rolle spielt. Da man sich immer in der Nähe von Siedlungen bewegt, gibt es kein Problem, für die Rast ein Gasthaus zu finden. Ein weiteres Plus: All jene, denen etwa in Nikolsdorf die Puste ausgeht, oder die sonstwie müde sind, können mit der Bahn zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Mit den Loipen an der Drau unterhalb der Stadt sind die Langlaufmöglichkeiten von Lienz bei weitem nicht erschöpft. Ein Kurs führt in das Pustertal mit Anschluß an das Loipensystem von Silian und zur Vierländer-Loipe, die bis nach Südtirol reicht. Auch im Tal der Isel, auf dem Iselsberg und auf dem Gaimberg gibt es Langlaufkurse.

Die Loipen in Lienz und Umgebung: Stadtrunde Lienz-Tristach-Amlach, 4 km lang, leicht Romantikloipe Amlach, 3 km lang, leicht Dolomitenloipe Lienz-Lavant, 20 km lang, leichte Anstiege Dolomitenlaufloipe Lienz- Oberdrauburg, rund 50 km lang, anspruchsvoll Pustertalloipe Lienz-Thal- Mittewald, 20 km lang, längere Steigungen Iseltalloipe Oberlienz-Ainet-St. Johann, 20 km lang, leicht Sonnenloipe Lienz-Gaimberg, 4 km lang, leicht Iselberger Sonnenloipe, 4 km lang, 1200 m hoch gelegen, kupiert Nikolsdorfer Loipe, 10 km lang, leicht. Loipenplan ohne Maßstab.

Von Bernd Orfer
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