"USA mit schuld an teurem Öl"

17. Februar 2005, 10:47
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Der Hamburger Energieexperte Heino Elfert sieht in der Ungewissheit, wie es im Iran weitergeht, einen Hauptgrund für die hohen Ölpreise

Wien - Rohöl wird auf absehbare Zeit teurer bleiben als aufgrund des Angebot-Nachfragespiels gerechtfertigt wäre. Einer der Hauptgründe dafür seien die USA, speziell deren Außenpolitik vis-à-vis dem Opec-Land Iran angesichts der vermuteten Gefahr, die Mullas wollten sich Atomwaffen zulegen. "Solange dort ein Militäreinsatz droht, bleiben die Rohölpreise hoch", sagte Heimo Elfert, Herausgeber des in Hamburg erscheinenden Energieinformationsdienstes EID, im Gespräch mit dem STANDARD.

Zwar drückten auch die niedrigen Heizölbestände in den USA die Preise nach oben wie auch die Möglichkeit einer weiteren Förderkürzung durch die Opec-Mitgliedsländer; das sei aber nichts verglichen mit der Ungewissheit, die es im Zusammenhang mit dem Iran gibt. Elfert: "Derzeit ist die Drohung der US-Administration das entscheidende Sentiment."

Spekulationen auf steigende Preise

Dass dem so sei, sehe man nicht zuletzt an den Spekulanten, die ihre Strategie komplett geändert hätten: Statt auf Baisse zu setzen wie noch im Spätherbst werde nun wieder vermehrt mit anziehenden Preisen gerechnet. Dabei sei die Versorgungslage mit Erdöl relativ gut; die Preise müssten demnach nach Ansicht von Elfert "aus fundamentaler Sicht eigentlich tiefer sein als sie es derzeit sind".

Diese Ansicht vertrat vor kurzem auch der Chef von Shell Austria, Hans Strassl, im STANDARD-Gespräch. "Zu keinem Zeitpunkt" habe es einen Engpass bei Erdöl gegeben, auch wenn die freien Förderkapazitäten deutlich gesunken seien. In den kommenden Jahren kämen allerdings zusätzliche Ölmengen auf den Markt - wegen der wieder erwachten Investitionsfreude der Erdölmultis, die sich von den hohen Ölpreisen ableite. Damit würden auch die freien Förderkapazitäten steigen, sodass Ereignisse wie Streiks oder Hurrikanes keine so gravierenden Auswirkungen auf die Erdölpreise haben sollten wie in der Vergangenheit.

Keine Förderkürzung erwartet

Die Rohölpreise, die im vorigen Herbst zu einem seit Anfang der Neunzigerjahre nicht mehr gesehenen Höhenflug angesetzt haben, zeigten jedenfalls vor Beginn der Opec-Tagung am Wochenende in Wien fallende Tendenz. Die Märkte gingen davon aus, dass die Energieminister der Opec-Staaten ihre Produktion fortschreiben und zumindest nicht sofort eine Förderkürzung beschließen, hieß es im Wien-Büro des international tätigen Ölbrokers PVM.

Auch Heimo Elfert vom Energieinformationsdienst geht davon aus, dass die Opec bei der Förderobergrenze von 27 Mio. Fass (je 159 Liter) am Tag bleibt. Erst im vergangenen Dezember hat das Erdölkartell beschlossen, seine Überproduktion um eine Mio. Fass am Tag zu drosseln. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.102005)

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