Geistesblitz: Eine Frau für den Ernstfall

2. Februar 2005, 13:52
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Rosa Frei entwickelt Strategien für den Hochwasserschutz

Die Überschwemmungen des Sommers 2002 haben ihre Spuren auch in der wissenschaftlichen Arbeit von Rosa Frei hinterlassen. Eigentlich wollte sich die Wasserbauexpertin in ihrer Dissertation vor allem auf die bauliche Sicherheit von Hochwasserrückhaltebecken konzentrieren, doch die verheerenden Folgen der Hochwässer haben ihren "Blickwinkel beträchtlich ausgedehnt". Denn auch optimal bemessene Schutzeinrichtungen müssen versagen, wenn die Natur in einem Maß über die Stränge schlägt, das jenseits des zu Erwartenden liegt. Die Lehre, die Rosa Frei daraus gezogen und in ihrer Arbeit umgesetzt hat: Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, müssen neben sicheren Schutzeinrichtungen auch Managementinstrumente für einen sinnvollen Umgang mit dem nie ganz auszuschließenden Risiko zur Verfügung stehen. Ihre Vorschläge für eine neue, risikoorientierte Vorgangsweise beim Hochwasserschutz haben der 42-jährigen Steirerin im Vorjahr den Josef-Krainer-Förderpreis eingebracht.

Als Hauptproblem im Umgang mit dem Hochwasser sieht Frei nicht nur die von vielen kritisierte stark zunehmende Bautätigkeit in hochwassergefährdeten Gebieten: "Dagegen ist im Einzelfall nichts einzuwenden, wenn man für den Notfall vorsorgt und die entsprechenden Maßnahmen nicht nur plant, sondern auch immer wieder übt." Es sei vor allem das mangelnde Risikobewusstsein, das bei Naturkatastrophen die Folgekosten und das menschliche Leid potenziere.

Dass sich Rosa Frei am Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der Grazer Technischen Universität in ihrer Forschungsarbeit vor allem mit den destruktiven Seiten der Natur auseinander setzt, hat ihren Respekt vor diesen nie vollständig kontrollierbaren Kräften gestärkt: "Man kann nicht gegen die Natur bauen." Zurzeit setzt sie ihr Know-how für den Hochwasseraktionsplan des Landes Steiermark ein. "Dabei erarbeite ich in einem Pilotprojekt eine Restrisikoanalyse für die Stadt Radkersburg. So etwas gibt es in Österreich bislang noch kaum, obwohl derartige Analysen künftig bei allen Planungen erforderlich sein werden."

Nahe liegend, dass die Natur für die begeisterte Wasserbauingenieurin auch in der Freizeit eine zentrale Rolle spielt: Ihre Urlaube verbringt sie am liebsten im Sattel ihres Trekking-Bikes, auf dem es sommers kreuz und quer durch Österreich geht. Und dann ist da noch die Familie: drei Kinder aus erster Ehe, von denen die beiden älteren schon erwachsen sind, und ihr zweiter Ehemann. Ihre ältere Tochter hat Rosa Frei - dem mütterlichen Vorbild folgend, ohne das Studium aufzugeben - bereits vor zwei Jahren zu einer der jugendlichsten Großmütter in der österreichischen Forschungslandschaft gemacht. (Doris Griesser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30. 1. 2005)

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    illustration: oliver schopf
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