Es begann mit kleinen Geschenken

8. Februar 2005, 15:51
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Robert Hoyzer könnte nur ein kleines Rädchen im großen Skandal sein: Spieler und Referees sollen involviert sein - Festnahmen in Berlin

Berlin - Der von Hoyzers Manipulationen schwer betroffene Wettanbieter und nationale WM-Förderer Oddset erwartet weitere Enthüllungen. "Da wird noch einiges mehr hochkommen", sagte Oddset-Marketingleiter Wolfgang Feldner, der die Glaubwürdigkeit von Sportwetten erschüttert sieht.

Wettanbieter klagt Hoyzer

Das Unternehmen bezifferte am Freitag in München den bisher entstandenen Schaden auf eine Million Euro. Zudem erklärte Oddset-Chef Erwin Horak: "Wir haben Strafanzeige gegen Hoyzer erstattet. In dem Moment, wo weitere Mittäter bekannt werden, werden wir auch dagegen vorgehen."

Unlustiges Umfeld

Hoyzer soll von einer kroatischen Wett-Mafia in Berlin für die Spiel-Manipulationen, die Bayern Münchens Torwart Oliver Kahn als "katastrophal für die Spieler und einen Tritt in den Hintern von jedem Sportler" bezeichnete, rund 50.000 Euro erhalten haben. Aufgrund möglicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen prüft die Berliner Staatsanwaltschaft derzeit die Notwendigkeit von Personenschutz für den geständigen Hoyzer. "Ich glaube, dass er in der Nähe eines Umfelds war, das ich nicht lustig nennen würde, und dass Leute ihre Interessen dort anders durchsetzen als über Zivilklagen", sagte Hoyzers Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner.

Zeugen pfeifen nicht am Wochenende

Die sich verdichtenden Anzeichen für die Verwicklung von mafiösen Organisationen riefen den DFB auf den Plan: "Schiri"-Boss Volker Roth nahm bei den Unparteiischen einen Ringtausch vor und entband die zunächst für Erstliga-Spiele am Wochenende nominierten Berliner Manuel Gräfe und Lutz Michael Fröhlich von ihren Einsätzen. Beide gehören zu den Zeugen, die den DFB-Schiedsrichterausschuss von den Manipulationsvorwürfen gegen Robert Hoyzer informiert haben. Holthoff-Pförtner stellte erneut klar, dass Hoyzer "nur ein kleines Rädchen" in dem Skandal sei.

"In Kürze die ganze Wahrheit"

Auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger hält inzwischen eine derartige Eskalation für möglich. Man wüsste "nun einen Teil der Wahrheit" und vertraue darauf, "in Kürze die ganze Wahrheit zu wissen". An Schadenersatzforderungen seitens der Vereine glaubt der DFB-Chef aber nicht.

Weitere Verwicklungen?

Die ganze Wahrheit könnte eine Lawine sein: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) erklärte Hoyzer der Staatsanwaltschaft, dass weitere Schiedsrichter und auch Fußballspieler in den Skandal verwickelt seien. Er selbst habe drei Fußballspiele manipuliert und dafür mehr als 50.000 Euro kassiert.

Bei Geldübergabe anwesend

Hoyzer gestand laut "Süddeutscher Zeitung" auch, bei der Geldübergabe an andere Schiedsrichter dabei gewesen zu sein, zudem habe er von Zahlungen an Spieler gehört. Von anderen Schiedsrichtern und Spielern sollen nach Aussage des 25-Jährigen Begegnungen der 2. Bundesliga manipuliert worden sein.

Zunächst Geschenke

Die Betrüger, die große Summen auf Spiele von Hoyzer setzten, hätten ihm zunächst kleinere Geschenke gemacht, ohne dafür ein Dankeschön zu verlangen. Holthoff-Pförtner sagte, sein Mandant sei "regelrecht angefüttert worden". Als "die ihn am Haken hatten, haben sie dann Gegenleistungen auf dem Fußballplatz" gefordert.

Festnahmen in Berlin

Bei Durchsuchungen hat es am Freitagabend in Berlin zwei Festnahmen gegeben. Dies bestätigte der Berliner Justizsprecher Michael Grunwald. Ein größeres Aufgebot der Polizei hatte am Abend ein Cafe in Berlin-Charlottenburg durchsucht. In dem Lokal soll Schiedsrichter Robert Hoyzer die Manipulationen mit zwei kroatischen Gastronomen besprochen haben.

Kurz nach der Durchsuchungsaktion stellte sich laut Informationen von "Spiegel Online" ein dritter Verdächtiger in Anwesenheit seines Anwalts der Polizei. Auch er wird verdächtigt, in den Wett-Skandal verwickelt zu sein. Die Polizei geht nach der Vernehmung von Hoyzer davon aus, dass das Lokal eine zentrale Rolle bei den Manipulationen von Fußballbegegnungen gespielt hat. "Es besteht der Verdacht, dass hier Wetten abgeschlossen wurden", sagte Michael Grunwald am Abend im TV- Sender "Premiere".(APA/red, DER STANDARD Printausgabe 29. Jänner 2005)

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    Hoyzer hat sicher noch die eine oder andere Überraschung bereit.

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