30 Kandidaten für je einen Sitz in der Nationalversammlung

26. Februar 2005, 15:57
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Rund 14 Millionen Iraker sind Sonntag aufgerufen, in den ersten freien Wahlen seit dem Sturz der Diktatur von Saddam Hussein eine Volksvertretung und 18 Provinzräte zu wählen. In Kurdistan wird zudem ein regionales Parlament bestellt. Iraker im Ausland können in 14 Staaten ihre Stimme abgeben, von den 1,2 Millionen Wahlberechtigten haben sich nur gut 280.000, also etwa ein Fünftel, registrieren lassen. Insgesamt bewerben sich rund 19.000 Iraker und Irakerinnen um ein politisches Amt. Für das Parlament in Bagdad kommen auf jeden Sitze 30 Kandidaten. Die 5220 Wahlbüros im ganzen Land sind von 7 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Nationalversammlung hat 275 Sitze. Sie wird über eine Landesliste gewählt und die Mandate den Parteien proportional zu ihren Stimmen zugeteilt. Ihre Mitglieder werden ein dreiköpfiges Präsidium wählen, das den künftigen Regierungschef ernennt. Der Premier und sein Kabinett müssen von der Nationalversammlung bestätigt werden. Deren wichtigste Aufgabe ist die Ausarbeitung einer Verfassung, die im Herbst dem Volk in einem Referendum vorgelegt werden soll.

Die stärksten Kräfte: Auf Landesebene sind 111 Listen gemeldet, darunter neun Koalitionen, 75 Parteien und 27 Einzelkandidaten. Die wichtigsten sind:

  • Vereinigte Irakische Allianz:
Unter Abdul Aziz al-Hakim haben sich alle großen schiitischen Parteien zu einer Einheitsliste zusammengefunden. Ihre Kandidaten haben die Unterstützung von Religionsführer Ayatollah Ali al-Sistani. Die Liste wird auch "Haus der Schia" oder "Liste der Kleriker" genannt.
  • Irakische Liste:
  • Sie wird von Premier Iyad Allawi geführt und hat säkulare Schiiten und Sunniten unter ihren Kandidaten. Sie wirbt mit dem Slogan "Eine starke Führung, eine sichere Nation".
  • Iraker:
  • Ihr Spitzenkandidat ist Präsident Ghazi al-Yawar. Sie hat ein ähnliches Profil wie Allawis Liste, und es wird erwartet, dass die beiden im künftigen Parlament zusammenarbeiten.
  • Kurdistan Allianz:
  • Die beiden großen kurdischen Parteien KDP und PUK treten auf einer gemeinsamen Liste an.
  • Volksunion:
  • Die Kommunisten von Hamid Moussa sind die älteste Partei des Irak und waren unter Saddam verfolgt. Sie sind säkular und treten für einen sozialen Rechtsstaat ein.
  • Sunniten:
  • Adnan Pachachi, Nasir al-Chaderchi und Samir al-Sumaidaie sind bekannte liberale, säkulare Sunniten, von denen sich jeder mit einer eigenen Liste an den Wahlen beteiligt.
  • Irakische Islamische Partei:
  • Die wichtigste islamische Partei, deren Wurzeln auf die ägyptischen Muslimbrüder zurückgehen, hat sich zurückgezogen, weil ihren Forderungen nach einer Verschiebung der Wahl nicht nachgegeben wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.01.2005)
    Von Astrid Frefel aus Erbil
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