Wettskandal: In Österreich undenkbar?

3. Februar 2005, 14:38
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Admiral-Sportwetten-Sprecher: Risiko-Management beim deutschen Wett-Anbieter Oddset muss im "Fall Hoyzer" versagt haben

Wien - Glaubt man den österreichischen Wettanbietern, dann ist ein Wett- bzw. Schiedsrichterskandal wie in der deutschen Fußball-Bundesliga in Österreich nicht möglich. Dazu würden die eingebauten "Risiko-Managements" zu gut funktionieren und zu schnell auf Auffälligkeiten reagieren, hieß es am Freitag seitens der Anbieter "betandwin", "Intertops", "Tipp3" und "Admiral-Sportwetten" auf Anfrage der APA.

Bei allen Befragten funktionieren die Schutzmechanismen ähnlich: Wird etwa auffällig häufig auf einen sensationellen Auswärtssieg gesetzt und noch dazu in auffälliger Höhe, wird einerseits die Quote drastisch gesenkt bzw. das betroffene Spiel überhaupt sofort aus dem Wettprogramm genommen. Außerdem kann bei Internet-Wetten - etwa bei "betandwin", "Intertops" oder "Admiral" - im Gegensatz zu der in Deutschland von dem Skandal betroffenen staatlichen Sportwette "Oddset" nicht anonym gewettet werden. "Dass die fehlende Anonymität der eigentliche Grund für den Skandal ist, haben die Deutschen noch nicht begriffen", sagte Detlef Train, Inhaber von "Intertops" in Salzburg. "Das gibt es ja nicht einmal mehr in der letzten Bananenrepublik."

Da nicht anzunehmen sei, dass "Oddset" nicht auch über ein gängiges "Risiko-Management" verfüge, müsse dieses etwa im Fall der DFB-Cup-Partie von Regionalligist Paderborn gegen den Bundesligisten Hamburger SV im August 2004 (Endstand 4:2), durch die der "Fall Hoyzer" ins Rollen gekommen ist, versagt haben, mutmaßte Jürgen Irsigler, Sprecher von "Admiral-Sportwetten": "Das schaut so aus." Laut Informationen der "Bild-Zeitung" wurden allein bei Paderborn - HSV rund 1,2 Millionen Euro umgesetzt. Irsigler: "In dieser Dimension ist das in Österreich heutzutage nicht möglich." Und das gelte auch für anonyme Wettmöglichkeiten in Österreich - wie etwa in "Admiral"-Filialien oder bei "Tipp3".

Bei "betandwin" geht man sogar so weit, dass man bei der erstmaligen Auszahlung von Gewinnen die Kopie eines Ausweises oder der Kreditkarte verlangt. "Allerdings sind wir natürlich machtlos, wenn die kriminelle Energie so hoch ist, dass der Ausweis gefälscht ist und mit diesem Ausweis auch ein Konto eröffnet wurde", sagte Pressesprecherin Karin Klein.

Harald Kochman, Präsident des österreichischen Buchmacherverbandes mit 35 Mitgliedern, wehrte sich im APA-Gespräch im vorliegenden Fall gegen die Bezeichnung "Wettskandal": "Was wir in Deutschland erleben, ist ein Schiedsrichterskandal. Die Wettbranche ist in der Opferrolle." In der nun geführten Debatte rund um generelle Wett-Verbote für Fußball-Schiedsrichter, -Spieler und -Funktionäre warnte Kochman vor "Schnellschüssen". Die kriminelle Energie, Betrug zu begehen, gebe es ja nicht nur bei Wetten. Ähnlich gelagert sei die Gefahr, so Kochman, beim "Insider-Handel mit Aktien". Eventuell könne man sich dort funktionierende Sicherheitsmaßnahmen anschauen und gegebenenfalls übernehmen.(APA)

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