"Ich brauche den Druck, ich brauche die Panik"

4. Februar 2005, 11:20
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Ticken wie ein Rogan: Der Lieblings-Schwimmer der Nation berichtete einer Runde von 200 Managern, wie er sich "in Schwung setzt"

Wien – Eigentlich wollte der Mann, der am Freitagmorgen (sehr früh, es war erst acht) rund 200 Manager, Unternehmer und sonstige lokale Honoratioren ins Wiener Loos-Haus gelockt hat, ja Banker werden. Aber nur so lange, "bis ich gehört habe, wie viel die arbeiten müssen." Für die Berufswahl bleibt dem 22-jährigen Betriebswirt (Stanford, USA) noch Zeit, am ehesten sieht er sich dann als Unternehmensberater. Fast wäre er das ja schon, "ich habe es bei McKinsey in den USA bis ins letzte Hearing geschafft. Aber die Olympiade kam dazwischen."

Zwei Silbermedaillen fürs schnelle Rückenschwimmen in Athen später, stellte sich der aktuelle Lieblingsschwimmer der Nation, Markus Rogan, einer lockeren Diskussion über Sport & Wirtschaft mit Georg Kraft-Kinz. Er sitzt im Vorstand der RLB NÖ-Wien, die Rogan sponsert.

Rogan nützte seine Erkenntnis, dass "der Sport mir ermöglicht, dass ich meinen Mund aufmache und die Leute Interesse an mir haben." Was zu beweisen war: Die erlesenen Zuhörer aus der Wirtschaft stellten sich eine halbe Stunde lang um Autogramme an.

Siegen statt suchen

Während Banker Kraft-Kinz das Thema auf die "Suche der Unternehmer nach Excellence" lenkte, sucht Rogan diese, die bei ihm Sieg heißt, gar nicht, sondern "erwartet" sie: "Wenn ich ins Wasser springe und den Sieg erwarte statt suche, finde ich ihn leichter."

Doch auch mit dem Finden ist das so eine Sache. Denn "die richtige Leistung zum falschen Zeitpunkt" gefunden, "nämlich der Weltrekord im Training zählt Null". Rogan (ihm fehlen 15 Hundertstel auf den Weltrekord), auf die Frage, wie oft ihm das schon passiert sei: "Gar nicht. Wäre ich im Wettkampf so schlecht wie im Training, hätten Sie wohl nie von mir gehört."

Damit war das Thema Motivation am Tapet, mit dem sich ja auch Manager ab und an herumschlagen. "Wie zwingen Sie sich zu Ihrem harten Training, wer motiviert Sie?" wollte der Bankmanager vom Spitzensportler wissen. Der gab Einblicke in seine "Motivationsmatrix" und Seele. Der Trainer motiviere ihn schon, "kann mir aber nur zusätzlichen Schwung geben, ist so etwas wie die Zündkerze für den Motor. Zum Wasser tragen kann er mich nicht."

In Schwung setzt sich Rogan also selbst, indem er die "dünklere Seite der Motivation, die Angst vor dem Versagen" auf ihre hellere Seite umdreht: "Ich habe meine Versagensangst akzeptiert, das war ein Rieseneingeständnis. Ein wenig Verletzbarkeit muss man sich aufbauen, sonst hat man schon verloren."

Qualen vor dem Wettkampf

Und wie schafft er es, seine Leistung punktgenau zu timen? Das ist offenbar die leichteste Übung – wenn man so tickt wie ein Rogan: "Ich brauche den Druck, ich brauche die Panik." Und die klingt fürchterlich: "20 Minuten vor einem großen Wettkampf leide ich absolut höchste Qualen, habe Bauchweh, kalte Hände und schwitze. Dann weiß ich: ich bewege mich auf die Höhle des Löwen zu."

Was ebendort befindliche, gestresste Manager daraus lernen können? Dass notfalls, wenn die Überlastung zu groß wird (bei Rogan sprießen in dem Fall übrigens als Alarmzeichen "Pickel am Kinn") und die Schlaflosigkeit den Schwimmer erwischt, sogar dem nur "die Notbremse" bleibt: die Schlaftablette. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.1.2005)

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    "Der Weltrekord im Training zählt Null", weiß Markus Rogan.

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