ÖVP rudert bei Schulreform zurück

7. Februar 2005, 14:17
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Vorerst soll Bedarf für 5-Tage-Woche und ganztägige Betreuung erhoben werden

Wien - Bei der Diskussion um den Ausbau der ganztägigen Betreuung rudert die ÖVP langsam zurück. Nach der Ankündigung von Bildungsministerin Gehrer in der vergangenen Woche, generell die Fünf -Tage-Woche für alle Pflichtschüler bis 14 sowie ganztägige Betreuung einzuführen - außer die jeweilige Schule will dies nicht -, wird nun verstärkt zunächst eine Bedarfserhebung gefordert.

Keine Gesamtschule

Auch in der Frage der möglichen Einführung einer Gesamtschule zieht die ÖVP nach kurzer Überlegungsphase nach dem Bekanntwerden der PISA- Resultate zurück. Nationalratspräsident Khol bezeichnete eine ganztägige Gesamtschule in der "Presse" als "Horror", der Wiener VP- Bildungssprecher Walter Strobl holte das Vokabel "Zwangstagsschule" wieder hervor.

Alte Debatte

Die Wortmeldungen der Bildungspolitiker der vergangenen Tage erinnern überhaupt an die Debatte der 80er Jahre: Während die ÖVP bei den ganztägigen Schulformen immer häufiger das Wort "Tagesbetreuung" (freiwilliges Betreuungsangebot am Nachmittag) verwendet, forciert die SPÖ die "Ganztagsschule" (Wechsel zwischen Unterrichts- und Betreuungsteil für alle verpflichtend). Einschränkend wird von beiden Seiten hinzugefügt, dass natürlich das jeweils andere Modell ebenfalls möglich sein soll.

Kosten abwälzen

Der Städtebund bezeichnete es am Freitag als "völlig inakzeptabel", dass der Bund in der Frage der Ganztags-Schulbetreuung neuerlich versuche, sich aus der Verantwortung zu stehlen und immense Kosten auf Städte und Gemeinden abzuwälzen. Bildungsministerin Gehrer hatte am Mittwoch im Nationalrat erklärt, dass der für die Umstellung auf Ganztagsbetreuung nötige Umbau von Schulen von den Erhaltern getragen werden müsse. Im Pflichtschulbereich sind dies die Gemeinden. Nach ersten Expertenschätzungen gehe es dabei um hunderte Millionen Euro, so Städtebund-Generalsekretär Erich Pramböck. (APA)

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