Hintergrund: Größte Herausforderungen für neue Regierung

2. Februar 2005, 10:11
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Terror, Wiederaufbau, Besatzung, ethnische und religiöse Spaltungen

Bagdad - Nach der irakischen Parlamentswahl am Sonntag steht die neue Regierung des Landes vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Es folgen die Hauptaufgaben, die die Regierung zum Wiederaufbau des Irak nach der US-Invasion und dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein bewältigen muss:

Der Aufstand

Seit dem Sturz Saddam Husseins im April 2003 haben die Rebellen an Stärke gewonnen. Fast täglich verüben sie Überfälle und Anschläge; vor allem in sunnitischen Hochburgen, die faktisch von den Rebellen kontrolliert werden. Ziel sind zumeist US-Soldaten, Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte und Mitarbeiter der Übergangsregierung sowie schiitische Gruppen. Die USA und die Übergangsregierung in Bagdad machen Moslem-Extremisten, Saddam-Anhänger und ausländische Kämpfer dafür verantwortlich.

Ihren Hauptfeind im Irak sehen die USA in dem jordanischen Moslem-Extremisten Abu Musab al-Zarqawi, den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zu seinem Stellvertreter in dem ölreichen Staat ernannt hat. Obwohl die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf Zarqawi ausgesetzt haben, konnte dieser bisher nicht gefasst werden. Die Gruppe um Zarqawi hat sich zu zahlreichen der schwersten Anschläge bekannt und steckt auch hinter der Ermordung mehrerer ausländischer Geiseln. Zudem hat die sunnitische Extremistengruppe Ansar al-Sunna zuletzt ihre Gewalttaten im Irak ausgeweitet.

Der stockende Wiederaufbau

Die ursprünglichen Hoffnungen, der irakische Ölreichtum könnte einen raschen Wiederaufbau des Landes finanzieren, erhielten schon bald einen Dämpfer. Die Ölexporte litten schwer unter der Sabotage, die Rebellen gegen die Ölindustrie verübten. Die Regierung schätzt die Einbußen auf mehrere Milliarden Dollar.

Aber die Gewalt der Aufständischen hat den Wiederaufbau auch in anderen Landesteilen verzögert. Als Resultat daraus konnten die versprochenen Arbeitsplätze und der zugesicherte Wohlstand zumeist nicht geschaffen werden. Treibstoff ist Mangelware, Stromausfälle sind an der Tagesordnung und auch die Wasserversorgung ist manchmal unterbrochen. Dies alles führt zu Verbitterung und Enttäuschung in der irakischen Bevölkerung.

Ethnische und religiöse Spaltungen

Der Irak besteht aus vielen ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen. Rund 60 Prozent der Iraker sind schiitische Araber, die unter dem Sunniten Saddam unterdrückt wurden. Neben Schiiten und Sunniten gibt es Minderheiten von Kurden, Turkmenen und Christen. Die meisten Schiiten unterstützen die Wahl. Viele Sunniten lehnen sie dagegen ab, weil sie wegen der anhaltenden Gewalt nicht frei und fair ablaufen könne. Eine voraussichtlich schiitische Regierung wird es daher schwer haben, von den Sunniten respektiert zu werden.

Spannungen gibt es auch über den künftigen Status der kurdischen Autonomie-Region im Norden, die seit 1991 besteht. Einige Kurden möchten die Region auf die Ölstadt Kirkuk ausweiten, was die arabische Bevölkerung strikt ablehnt. Zudem haben Spannungen zwischen kurdischen und turkmenischen Gemeinden im Irak eine lange Geschichte.

Die Präsenz ausländischer Truppen

Die Anwesenheit der US-geführten Truppen sorgt bei vielen Iraker für Verbitterung, selbst bei denen, die nicht die Aufständischen unterstützen. Nach dem Willen der meisten Iraker sollen die ausländischen Soldaten abziehen, sobald die Lage im Irak ausreichend stabil dazu ist. Doch die irakischen Sicherheitskräfte sind noch nicht entsprechend ausgebildet und nur ungenügend ausgerüstet. Dabei stellt die Rekrutierung neuer Soldaten und Polizisten nicht das Problem dar. Vielmehr sind es die häufigen Anschläge auf irakische Sicherheitskräfte, die die Rekruten verunsichern. Zudem haben viele Iraker das Vertrauen in die Sicherheitskräfte verloren. (APA/Reuters)

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