Rosa von Praunheim: Trotz Kannibalen-Themas "kein Horrorfilm"

2. Februar 2005, 21:20
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"Dein Herz in meinem Hirn" soll ab Herbst oder Winter auf Festivals gezeigt werden

Berlin - Der Regisseur Rosa von Praunheim hat seinen Kannibalenfilm "Dein Herz in meinem Hirn" fast abgeschlossen. In dem Spielfilm geht es um zwei Männer, die sich über eine Internetanzeige kennen lernen, sadomasochistische Gefühle entdecken, Rollenspiele ausprobieren und schließlich den Fall des "Kannibalen von Rotenburg" nachspielen. Im Herbst/Winter soll der Film auf Festivals zu sehen sein, sagte von Praunheim am Freitag in Berlin. Gedreht wird in einem Reihenhaus in Spandau.

Bei der Produktion habe er sich rechtlich beraten lassen, sagte der Berliner Regisseur. Es geht demnach nicht um die Person des Mannes aus Rotenburg, der im Gefängnis sitzt, weil er für schuldig befunden wurde, einen Berliner Ingenieur getötet und Teile der Leiche gegessen zu haben. Am 13. April soll sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit dem Fall von Armin Meiwes beschäftigen, weil Staatsanwalt und Verteidiger Revision gegen das Urteil aus Kassel vom Januar 2004 eingelegt hatten.

Psychogramm statt Horrorfilm

"Wir machen keinen Dokumentarfilm", so sagte von Praunheim. Sein Film sei als Psychogramm angelegt und auch kein Horrorfilm - auch wenn in einer Badewannen-Szene ein Mann verstümmelt wird. "Es geht darum, die szenischen Abgründe auszuloten."

Die Hauptrollen in dem Film spielen Martin Molitor und Martin Ontrop. Von Praunheim (62) wurde 1971 mit dem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" bekannt; er gilt als einer der Pioniere der deutschen Schwulenbewegung. Auf der diesjährigen Berlinale ist er mit drei Filmen vertreten, darunter eine Dokumentation über schwule Nazis. (APA/dpa)

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