Siemens will in Telefonsparte 1.250 Stellen streichen

6. Februar 2005, 16:17
2 Postings

600 Mitarbeiter in Deutschland im Festnetzbereich und rund 650 im Ausland - Auswirkungen auf Österreich ungewiss

Siemens will in seiner Telekommunikationssparte zusätzlich rund 1.250 Stellen streichen. Davon sind in Deutschland 600 Mitarbeiter im Festnetzgeschäft an drei Standorten in Berlin und München betroffen, wie Siemens am Freitag in München mitteilte. Außerdem gebe es Pläne, rund 650 Arbeitsplätze des Geschäftsgebiets in Vertriebsregionen im Ausland abzubauen.

"Nicht zwingend mit Entlassungen gleichzusetzen".

Der Leiter von Siemens Communications, Lothar Pauly, erklärte, der Stellenabbau sei "nicht zwingend mit Entlassungen gleichzusetzen". Ziel sei es, den betroffenen Mitarbeitern "im Rahmen des Möglichen neue Aufgaben innerhalb von Siemens zu vermitteln oder sozialverträgliche Lösungen zu finden".

Erklärung

Der Konzern hat die Stellenstreichungen mit "unverändert schwierigen Rahmenbedingungen und den Kostendruck im Festnetzgeschäft" begründet. "Die erhoffte nachhaltige Wende auf dem Markt für Festnetztechnik ist bislang ausgeblieben. Überkapazitäten erforderten deshalb auch eine Anpassung der Mitarbeiterzahl" hieß es am Freitag von Seiten des Münchner Konzerns. Ob davon auch Niederlassungen in Österreich betroffen sind, war vorerst nicht zu erfahren.

Der Leiter des Siemens-Telekommunikationsbereichs Communications (Com), Lothar Pauly, erklärte, das Festnetzgeschäft werde sich fortan auf den Ausbau von Sprach- und Datenvermittlungssystemen konzentrieren und setze gleichzeitig auf neue Wachstumsfelder wie Voice over IP sowie Anwendungen und Dienstleistungen für Breitbanddienste oder Unterhaltungselektronik.

Detail

In München sollen rund 250 Arbeitsplätze am Standort Hofmannstraße und 150 in Perlach abgebaut werden; auf Berlin entfallen die restlichen 200. Bereits zur Gründung der Com-Sparte im vergangenen Jahr angekündigt hatte Siemens die Streichung von 100 Stellen in zentralen Funktionen im Bereich bis 2006. Dabei sollen etwa zu gleichen Teilen Stellen in den Münchener Standorten Perlach und Hofmannstraße abgebaut werden.

Das Festnetzgeschäft gehört seit dem vergangenen Jahr zum neu gegründeten Bereich Communications (Com), in dem die früheren Siemens-Teile Communication Networks (ICN) und Information and Communication Mobile (ICM) aufgegangen sind. Com ist mit einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro im ersten Quartal der mit Abstand größte Siemens-Bereich.

Plus

Der Gewinn von Com lag bei 240 Mio. Euro, was einem Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprach. Der Zuwachs war aber hauptsächlich auf einen Gewinn von 208 Millionen Euro aus dem Verkauf einer Beteiligung an Juniper Networks zurückzuführen. Besonders schmerzlich für den Bereich war der Verlust von 143 Mio. Euro des Teilbereichs Mobiltelefone, wo Siemens im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutlich weniger absetzte als ein Jahr zuvor.

"Eine Handvoll"

In Österreich werden von der Streichung von rund 1.250 Stellen bei dem deutschen Siemens-Konzern - wenn überhaupt - "nur eine Handvoll Mitarbeiter" um den Job zittern müssen, erklärte man bei Siemens-Deutschland am Freitag auf APA-Anfrage. Etwa die Hälfte der über 1.000 Arbeitsplätze soll außerhalb von Deutschland in den Siemens-Verkaufsabteilungen verschwinden. Wann eine Entscheidung für Österreich feststehen soll, ist laut Siemens noch offen.

(APA)

Share if you care.