Österreichern ist Ausländerpolitik mehrheitlich zu liberal

11. Februar 2005, 16:09
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40 Prozent der Befragten haben keinerlei Kontakt zu ausländischen Mitbürgern - Mit Infografik

Linz - Mehr als jedem zweiten Österreicher ist die im eigenen Land praktizierte Ausländerpolitik derzeit zu liberal. In diesem Punkt ist die Bevölkerung auch gegenüber Brüssel skeptisch. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts "market" hervor, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden.

"market" führte im Dezember persönliche Interviews mit 500 repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren ausgewählten Personen durch. Dabei gaben 56 Prozent an, dass die derzeitige Ausländerpolitik in Österreich "zu liberal" sei, 29 Prozent sprachen von einer Politik "mit Augenmaß". Nur sechs Prozent nannten sie "zu streng".

Zur der Frage, wo die Entscheidungskompetenz in Sachen Ausländerpolitik liegen soll, hat die Bevölkerung ein klare Meinung. Eine Mehrheit von 61 Prozent spricht sich dafür aus, dass die Gestaltung in der Verantwortung der Mitgliedstaaten bleiben und nicht von Brüssel zentral geregelt werden soll. 30 Prozent der Befragten sind für eine einheitliche Regelung.

Nicht Alter oder Geschlecht sind für die jeweilige Meinung ausschlaggebend, sondern das Bildungsniveau: Bei den Pflichtschulabsolventen sprechen sich 26 Prozent für eine EU-weit einheitlichen Gestaltung aus, bei Personen mit höchsten höheren Bildungsabschlüssen wie Matura oder Universität beträgt dieser Anteil hingegen 43 Prozent. Regional betrachtet wird an der nationalstaatlichen Regelung am stärksten im Westen - Salzburg, Tirol und Vorarlberg - und in Wien festgehalten. Auch Personen, die die derzeitige Politik für zu liberal halten, sprechen sich signifikant häufiger gegen eine EU-weit einheitliche Gestaltung aus.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (54 Prozent) fühlt sich über das Leben der Ausländer in Österreich weniger gut bzw. überhaupt nicht gut informiert. Dem gegenüber stehen 43 Prozent, die das Gefühl haben sehr bzw. eher gut informiert zu sein. Auch unter jenen Personen, die der Ansicht sind, Österreich betreibe eine Ausländerpolitik mit Augenmaß, sagt laut "market" jeder Zweite, dass er wenig bzw. überhaupt keine Informationen habe.

40 Prozent gaben zudem an, keinerlei Kontakt zu ausländischen Mitbürgern zu haben. Bei Personen, auf die das zutrifft, ist tendenziell das Informationsniveau höher. Berufstätige hätten zwar bedeutend öfter Kontakt, ein signifikant höheres Informationsniveau über das Leben von Ausländern in Österreich habe man bei ihnen aber nicht feststellen können, so das Institut. (APA)

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