Der größte Konsumgüterkonzern der Welt

3. Februar 2005, 15:22
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Nach Zusammenschluss 60 Milliarden Dollar Umsatz und 140.000 Mitarbeiter - Windeln, Putzmittel und Rasierer

New York - Der amerikanische Verbrauchsgüterkonzern Procter & Gamble (Cincinnati), weltbekannt durch die Windel-Marke Pampers, Tempo-Taschentücher, Meister Proper und Ariel, übernimmt den Rasierer-und-Klingenhersteller Gillette Co (Boston) im Zuge eines Aktientauschs für etwa 57 Mrd. Dollar (43,8 Mrd. Euro).

In aller Welt präsent

Sollten die Aufsichtsbehörden den Zusammenschluss genehmigen, entstünde der weltweit führende Konsumgüterhersteller mit mehr als 60 Mrd. Dollar Jahresumsatz und Mitarbeitern in aller Herren Länder. Der bisherige Branchenprimus, die niederländische Unilever SA, würde auf den zweiten Platz verdrängt.

P&G hat 110.000 Mitarbeiter und Gillette beschäftigt 29.400. Die Gesamtmitarbeiterzahl soll nach der von den Verwaltungsräten beider Firmen bereits am Donnerstag Nacht abgesegneten Fusion um 6.000 oder vier Prozent abgebaut werden.

Finanziell robust

Unter Führung von A.G. Lafley, der im Jahr 2000 zum Chef berufen wurde, drängt P&G aggressiv in das Geschäft mit der Schönheit. 2003 übernahmen die Amerikaner für 3,2 Mrd. Euro den deutschen Haarpflegemittelhersteller Wella AG und in 2001 die französische Clairol SA. Finanziell ist P&G zu solchen Sprüngen in bester Verfassung.

Von Quartal auf Quartal legt das Unternehmen Ertragszuwächse vor, zuletzt am Donnerstag für die zweite Vierteljahresperiode. Sie endete mit 2,04 Mrd. Dollar oder 74 Cent je Aktie Gewinn (+ 7 Prozent) nach 1,82 Mrd. Dollar oder 65 Cent je Aktie Gewinn im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 14,45 Mrd. Dollar zu. Analysten hatten mit 72 Cent Gewinn und 14,21 Mrd. Dollar Umsatz gerechnet.

Motoren China und Russland

Überdies hat P&G seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr heraufgesetzt. In einer Konferenzschaltung mit Analysten im Dezember bezifferten P&G-Spitzenmanager den Gesamtmarkt in Entwicklungsländern für ihre Produkte bis 2010 auf fast 100 Mrd. Dollar. Zu den Wachstumsmärkten gehören außerdem China und Russland.

Bei Gillette stieg der im Oktober mitgeteilte Gewinn im dritten Geschäftsquartal auf 475 Mio. Dollar von 416 Mio. Dollar im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg auf 2,69 (2,4) Mrd. Dollar. Für P&G wäre der Zukauf von Gillette eine logische Erweiterung seiner Angebotspalette. Dazu gehören neben Pampers die in Supermärkten auf der ganzen Welt vertriebenen Markenprodukte Tide (Waschmittel) und Crest (Zahnpasten).

Alter Plan

Im Düftebereich besitzt P&G die Marke Old Spice und Gillette gehört Right Guard. Lafleys Vorgänger Durk Jager wollte Gillette bereits vor fünf Jahren übernehmen, war jedoch mit dem Versuch gescheitert. Auf Gillette hatte es auch P&Gs kleinerer Konkurrent Colgate-Palmolive Co abgesehen. Gillette würde P&Gs Position im Einzelhandel stärken, insbesondere gegenüber Warenhauskonzernen wie Wal-Mart Stores, die bei ihren Zulieferern möglichst billig einkaufen wollen und entsprechenden Druck ausüben.

Der Zusammenschluss würde auch die Verhandlungsposition des erweiterten Unternehmens mit Werbeträgern stärken. P&Gs Werbeaufwand belief sich im vergangenen Jahr auf 5,5 Mrd. Dollar. (APA)

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