Zum Abschied liefen Siemens-Handys heiß

3. Februar 2005, 14:50
4 Postings

Lob und Tadel für Konzernchef Pierer in der Hauptversammlung - Viele der bohrenden Fragen blieben unbeantwortet, insbesondere zur Zukunft der Handysparte

Hochamt, Volksfest, Seniorentreffen oder doch ein Huldigungsfest? Über weite Strecken der Siemens-Hauptversammlung am Donnerstag in der Münchner Olympiahalle überwog das Lob für den doch recht radikalen Umbau, den Heinrich von Pierer in seinen 12,5 Jahren an der Spitze des deutschen Elektromultis durchgeführt hat.

Über drängende Fragen wie jene zur Zukunft der schwer defizitären Handysparte oder das wahre Ausmaß des Debakels mit der Straßenbahn "Combino" vermochte das zweitbeste Jahresergebnis in der Unternehmensgeschichte freilich nicht hinwegzutäuschen. Weder von Pierer noch sein Nachfolger Klaus Kleinfeld machten dazu konkrete Angaben.

Schließung kommt eher nicht in Frage

Pierer stellte zwar klar, dass eine Schließung der Mobiltelefonsparte bei Marke und Entwicklungsmannschaft enorme Werte vernichten würde und daher eher nicht in Frage komme, verwies aber auf den für heute, Freitag, anberaumten Wirtschaftsausschuss, der die Weichen stellen werde. Die jüngsten Zahlen sind alarmierend: Das Handygeschäft rutschte mit 143 Mio. Euro noch tiefer in die roten Zahlen. Zuvor hatte eine Softwarepanne des neuen Modells S65 das Weihnachtsgeschäft vermiest: Statt gut 15 Millionen wurden nur 13,5 Millionen Mobiltelefone verkauft. Bei einem Preisverfall von 100 auf 86 Euro erklärt sich das Minus von selbst.

Tiefe Einschnitte sind auch beim IT-Dienstleister SBS zu erwarten, wie tief diese "Anpassungen" sein werden, blieb aber ebenso unkonkret, wie der Umsatz- und Ergebnisausblick, den Pierer bereits in der Jahresbilanzpressekonferenz im November schuldig blieb.

Schuld daran ist einmal mehr der Problembereich Kommunikationstechnologie, der immerhin ein Viertel des Konzernumsatzes ausmacht. "Unterm Strich sehen wir aber Chancen, das Konzernergebnis noch einmal zu verbessern", so die knappe Botschaft. Damit müsste ein Rekordgewinn von 3,4 Milliarden Euro und eine Umsatzlatte von 75,167 Milliarden Euro übersprungen werden.

Das Startquartal des laufenden (schiefen) Geschäftsjahrs gibt Hoffnung: Siemens verdiente eine Milliarde Euro mehr - das entspricht einem Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal; der Quartalsumsatz hingegen gab um einen Prozent auf 18,2 Mrd. Euro nach.

Auf ein Statement von Neo-Chef Kleinfeld warteten die Aktionäre vergeblich, obwohl es dazu zahlreiche Aufforderungen gab. Mehr als ein spitzbübisches Lächeln gab er nicht.

"Morgengabe" VA Tech

Rückenwind bekam Siemens am Donnerstag für die Übernahme der VA Tech: der Investmentfonds Fidelity gab bekannt, dass er seine 5,38 Prozent an Siemens verkauft habe. Damit ist klar, dass die Front der hartnäckigen Aktionäre, die eine Aufbesserung von 55 auf 65 Euro je Aktie herausgepresst hatten, bröckelt. Spannend wird nun, ob Siemens bis 9. Februar die 90-Prozent-Hürde schafft. Klarheit erwartet Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger rund um den 20. Februar.

Pierer verteidigte den wegen des erhöhten Kaufpreises auch in der HV kritisierten Deal erneut, VA Tech sei insbesondere in Frankreich, England und Italien eine hervorragende Ergänzung für Siemens. Und: "Die 4,65 Milliarden Euro Auftragseingang der VA Tech sind eine schöne Morgengabe." (DER STANDARD Printausgabe 28.01.2004)

Luise Ungerboeck aus München

Zum Thema

Ein Österreich-Fan steigt vom Dach

Share if you care.