Industrie büßt ihre Dynamik ein

4. Februar 2005, 13:37
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Weniger Exporte 2005, dafür bessere Inlandskonjunktur

Wien - Die österreichische Wirtschaft hat ihre besten Zeiten - vorerst einmal - hinter sich. Der Konjunkturindikator der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) lag im Dezember mit 2,2 Punkten gleich hoch wie im November - und wieder unter dem Wert von Oktober 2004. Die Diagnose von BA-CA-Chefvolkswirtin Marianne Kager: "Die Phase der stärksten Dynamik der Wirtschaft ist vorüber."

Ausgelöst wurde das durch die nachlassende Stimmung der Industrie, sowohl in Österreich als auch im Euroraum. Für Österreich sei das, wie Kager betonte, nach dem sehr dynamischen ersten Halbjahr 2004 und der sich abkühlenden Weltwirtschaft "zu erwarten" gewesen.

Im Vorjahr habe Österreich von der starken Weltwirtschaft deutlich profitiert. Mit einem Produktionswachstum von rund sieben Prozent war Österreichs Industrie die dynamischste aller EU-15 Länder; sie sei fast dreimal so schnell wie der EU-15-Durchschnitt gewachsen. Noch stärker war Polen (16 Prozent). Die Slowakei und Slowenien hat Österreich aber abgehängt. Sieger nach Branchen war die Fahrzeugindustrie (plus 31 Prozent), hinter ihr rangierten Erdöl, Maschinenbau sowie Eisen- und Metallwaren.

Export als Zugpferd

Motor des Industriewachstums sei in erster Linie der Export gewesen, erklärte Kager. Auch da war Österreich mit plus elf Prozent Musterschüler: Der EU-15-Durchschnitt lag bei sieben Prozent.

Insgesamt hat Österreichs Industrie 2004 ihren Weltmarktanteil laut den BA-CA-Ökonomen erhöht - "deutlich" in Deutschland, den USA und in China. In der Schweiz und den neuen EU-Ländern setzte es dagegen Marktanteilsverluste.

Heuer wird mit der hohen Industrie-Dynamik Schluss sein: Das Umfeld (abflauende Weltkonjunktur, hoher Euro, weniger Exporte, steigende Inflation) verschlechtere sich. Österreichs Industrie wird sozusagen aufs Inland zurückgeworfen; wobei die Ökonomen mit einer Belebung der Inlandskonjunktur, verbesserter Beschäftigungslage, hellerer Stimmung und expansiver Fiskalpolitik rechnen.

Das Wachstum, von dem sie heuer ausgehen: 1,9 Prozent nach zwei Prozent im Vorjahr. Wobei diese Prognose mit dem üblichen Risiko behaftet ist: der Entwicklung von Eurokurs und Ölpreis. (DER STANDARD Printausgabe 28.01.2005)

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