Ein wahres Vorbild

18. Februar 2005, 13:20
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Papa! Wo hat der Schwarzenegger Arnold eigentlich gespielt? Im nicht gerade vollen Grazer Stadion, es ist schon einige Monate her, raufen 22 Herren um den Fußball. Auf den Tribünen freuen sich die Zuseher und über den Frühling. Nirgends, das ist ein Schauspieler und Politiker, sagt der Vater und nuckelt an seinem Alkoholfreien. Und ein Vorbild für alle Steirer.

Wieso heißt dann das Stadion nach ihm? Der Vater lächelt wissend. Er hat die größten Muskeln von der ganzen Welt gehabt. Mehr als Mario Haas und Ivica Vastic?

Der Vater ringt um eine Erklärung. In Amerika schickt er die Gfraster ins Gfängnis. Und a Ruah is. Der Sohn versteht. Ah deswegen. Die liebe Frau Lehrer hat erzählt, dass sie früher auch die Verbrecher in Stadien zsammgfangen haben. Der Vater rudert politisch-pädagogisch zurück. Schau, der Schwarzenegger ist unser Botschafter in der Welt. Und als Dank haben wir das Stadion nach ihm benannt.

Die Austria schießt ein Tor, die Wiener Fans jubeln penetrant. Wieso schießt die Austria das Tor, wenn das unser Stadion ist? Der Vater schreit enerviert. Weil die Wiener schauen, wo sie uns obidrücken, woasst. (ruhig) Deswegen miassn wir Steirer zsammhalten.

Schlusspfiff. Sturm Graz hat wieder einmal verloren, Vater lässt Dampf ab. Seid's froh, dass der Arnold net da ist! Ein Wiener schreit zurück. Damit er die geistig Behinderten da hinrichten lasst? Der Sohn zupft den Vater heftig am Ärmel. Ist der Schwarzenegger ein Mörder? - Nein, er ist Gouverneur in Kalifornien. Der Wiener keppelt noch einmal. Stimmt ja gar nicht, dass in der Steiermark keiner mehr nachdenkt. Der Sohn denkt nach. Ist er deswegen ein Vorbild?

Der Vater ist ziemlich empört. Lassens das Kind endlich in Ruah! (zu sich) Gsindel. (zum Sohn) Ich muss dringend mit deiner Lehrerin reden. Und das nächste Mal gemma besser ins Kino. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 28. Jänner 2005)

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