Lohndifferenz bei Frauen: EU rügt Österreich

4. Februar 2005, 13:39
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Schlusslicht mit Großbritannien und Irland

Österreich bekommt einen Rüffel aus Brüssel: Im Donnerstag vorgestellten Beschäftigungsbericht werden die großen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern kritisiert. Hat doch Österreich gemeinsam mit Großbritannien und Irland die Schlusslichtposition inne, nirgendwo sonst in der EU verdienen Männer um so viel mehr als Frauen. Gelobt werden hingegen Portugal und Italien, in diesen Staaten ist (wie in den skandinavischen Ländern) das Gehaltsgefälle besonders klein.

Unzureichende politische Anstrengungen

Neben den "großen Unterschieden" rügt die EU-Kommission Österreich auch deshalb, weil "unzureichende politische Anstrengungen zur Verkleinerung" der geschlechtsspezifischen Unterscheide gemacht werden. Die Fortschritte seien "begrenzt", noch dazu kann die EU-Kommission "keine Belege für Bemühungen der Sozialpartner erkennen", den Einkommensunterschied zu reduzieren. Nur zwei Teilgewerkschaften haben Kollektivvertragsver handlungen auf Geschlechtsunterschiede untersucht.

Als einen Lösungsweg sieht die EU-Kommission den in Österreich immer wieder diskutierten Mindestlohn von 1000 Euro an: Würde doch dieser viel mehr Frauen als Männern helfen. Außerdem mahnt die EU im Bericht mehr Anstrengungen für eine ausreichende Zahl von leistbaren Kinderbetreuungsplätze ein. Vor allem bei den Betreuungsangeboten für Kinder unter drei Jahren wird ein erhebliches Manko diagnostiziert.

Anteil der älteren ArbeiterInnen gering

Österreich zählt bei noch einem Beschäftigungsindikator zu den EU-Nachzüglern: beim Anteil der Menschen, die älter sind als 55 Jahre und noch arbeiten. Dieser Wert wurde seit dem Vorjahresbericht um einen Prozentpunkt auf 30 Prozent gesteigert, gehört damit aber noch zu den niedrigsten in der Union. Hier hält die Kommission Anstrengungen für nötig. Dafür werden "signifikante Fortschritte" bei Arbeitsmarkt-Reformen gelobt. Und noch ein Lob erhielt Österreich: Es liegt in der Spitzengruppe bei der Umsetzung von EU-Recht. (DER STANDARD Printausgabe 28.01.2005)

Eva Linsinger aus Brüssel
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