Depressionen bei Kindern und Teenagern nehmen zu

2. Februar 2005, 14:16
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Steigende Selbstmordgefahr - rechtzeitige Hilfe wichtig

Linz - Immer mehr Kinder und Jugendliche stürzen in Depressionen, dadurch steigt auch die Selbstmordgefahr. Eine Ursache liege unter anderem darin, dass vielen die "Grausamkeit" der Welt offenbart wird, sie aber ihre Gefühle nicht aussprechen können. Die Symptome einer Depression können vielfältig sein - etwa Freud- und Schlaflosigkeit sowie Konzentrationsstörungen, hieß es in einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz. Wichtig sei, dass Betroffene rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen.

15 Prozent aller österreichischen Jugendlichen seien von schweren depressiven Episoden betroffen und sogar zwei Prozent der Kinder im Vorschulalter "kennen die große Leere und Trauer, die dieser Krankheit mit sich bringt", berichtete der Leiter der Jugendpsychiatrie der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Werner Leixnering. Ein trauriger Trend, der im Steigen begriffen sei. An die 50 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren nehmen sich in Österreich jährlich das Leben. Die meisten jungen Menschen sterben an Unfällen, an zweiter Stelle stehe bereits der Selbstmord, so Leixnering. "Wir sind aufgerufen, die Suizidrate zu senken, da sie in Relation zu Unfällen zu hoch ist."

Zwei wesentliche Ursachen

Der Leiter der Kinder- und Jugendneuropsychiatrie der Landes-Frauen- und Kinderklinik, Werner Gerstl, sieht zwei wesentliche Ursachen, warum immer mehr Kinder mit dem Leben nicht zurechtkommen. Einerseits würden echte oder vermeintliche äußere Bedrohungen zunehmen, wie etwa Aids oder Krieg. Andererseits würden soziale Bindungen kontinuierlich abnehmen: "Eltern finden immer weniger Zeit für ihren Nachwuchs, wo früher gelesen und gespielt wurde, regieren heute Fernsehen und Computerspiele", so Gerstl. Und: "Gestresste Eltern haben keinen Raum mehr für die Niederlagen des Kindes." Auch emotional belastende Situationen wie etwa die Trennung der Eltern können Auslöser für eine Depression sein. Durch das Internet und die Medien würden zudem Interessensgebiete erweitert. Wenn so viel Gewalt vorgezeigt wird, verliere man die Hemmschwelle des Sterbens, sagte der Experte.

Bei Kindern sei es schwer, Depressionen zu erkennen und zu bekämpfen, erklärte Gerstl. Kinder würden meist weder über die intellektuellen noch über die rhetorischen Fähigkeiten verfügen, ihr Leid zu beschreiben. Besonders jüngere klagen meist nur über die körperlichen Begleiterscheinungen wie Kopf- oder Bauchweh. Viele Eltern würden das veränderte Verhalten ihrer Sprösslinge auch auf eine schlechte Tagesverfassung oder Ungehorsam schieben und darauf vertrauen, dass die Zeit es "schon richten wird", so Gerstl. Um umfassend heilen zu können, sollte eine Behandlung möglichst in einem frühen Stadium beginnen, raten die Experten. (APA)

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