Genehmigungsboom bei Ökostrom-Anlagen

4. Februar 2005, 11:13
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Förderung steigt bis 2007 in ungeahnte Höhen - E-Control: "Selbst erschrocken" - mit Infografik

Wien - Auf Grund eines regelrechten Genehmigungsbooms für neue Ökostrom-Anlagen kurz vor Jahresende wird die Ökostrom-Förderung in Österreich bis 2007 unerwartet stark in ungeahnte Höhen ansteigen.

Subventionen mehr als verdoppelt

Statt 120 Mio. Euro, wie noch vor wenigen Monaten angenommen, werden dann pro Jahr 250 Mio. Euro an Subventionen für "sonstigen Ökostrom" aus Windkraft, Biomasse, Biogas und Photovoltaik nötig sein. "Wir sind selbst erschrocken, was da nach der alten, Ende 2004 ausgelaufenen Regelung noch alles von den Ländern genehmigt worden ist", sagte E-Control-Chef Walter Boltz vor Journalisten. Infolge der 13-Jahres-Garantie bedeute dies in Summe 3 Mrd. Euro an Förderungen.

Die 250 Mio. Euro im Jahr würden die heimischen Haushalte im Schnitt mit 78 Euro jährlich belasten. Rechne man noch die Kosten für Kleinwasserkraft und Kraft-Wärme-Kopplung von 100 bis 120 Mio. Euro im Jahr hinzu, seien dies noch einmal 32 Euro pro Haushalt. Boltz: "Damit bezahlt ein Haushalt 2007 rund 110 Euro für die Förderungen gemäß Ökostromgesetz." Schuld seien die zu hohen Einspeisetarife.

100 neue Genehmigungen

Allein im Dezember seien rund 100 Windräder mit 200 MW Leistung neu genehmigt worden. Doch auch andere Anlagen hätten enorm zugelegt: Neben den im Vormonat in Betrieb befindlichen 40 Biomasse-Anlagen mit 90 MW elektrischer Leistung seien weitere 60 Anlagen mit 190 MW genehmigt worden. Bei Biogas würden zu den bestehenden 130 Anlagen mit 30 MW weitere 150 mit 40 MW hinzu kommen.

Damit seien binnen weniger Monate mehr Biomasse- und Biogasanlagen genehmigt worden als zusammen in allen Jahren davor. "Die Entwicklung lässt die Vermutung zu, dass zu Jahresende 2004 offensichtlich noch einmal alles daran gesetzt wurde, um sich ein Maximum an Subventionen zu holen", bezweifelt Boltz die Sinnhaftigkeit dieses Ökostrombooms.

7 Prozent Ököstrom

Anfang 2004 waren 420 MW Windkraft in Betrieb, derzeit dürften es schon 600 MW sein, und mit den jüngsten Genehmigungen ist ein Anstieg auf 535 Windräder mit 800 MW zu erwarten. Bei Biomasse (fest, inkl. Abfall) gab es binnen Jahresfrist einen Anstieg von 76 auf 90 MW, künftig sind aber schon 280 MW vorprogrammiert, bei Biogas - nach einem leichten Plus von 24 auf 30 MW - ein Hochschnellen auf 70 MW.

Damit würden in Österreich bereits übernächstes Jahr 7 Prozent des Stroms aus "sonstigem Ökostrom" kommen, während ursprünglich 4 Prozent für das Jahr 2008 geplant waren. Die Kosten dafür seien jedoch enorm: Mit den so erzeugten 4 TWh würden 2 Mio. t CO2 vermieden - dies bedeute 125 Euro pro Tonne CO2. Boltz: "Das ist mehr als 15 Mal so viel wie die CO2-Emissionsrechte derzeit innerhalb des EU-Emissionshandelssystems kosten", nämlich 7 Euro/t.

Der Ausbau der jetzt genehmigten Anlagen werde sich bis Mitte 2006 hinziehen. Bis dahin seien jegliche Planungs- und Neubaukapazitäten praktisch ausgeschöpft, da auch die Anlagenbauer keine Kapazitäten mehr hätten. Dies bedeute, so Boltz am Mittwochabend, dass bis Juni 2006 kaum mehr mit zusätzlichen Anlagengenehmigungen zu rechnen sei. (APA)

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    Ökostrom-Förderungen

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