SPÖ will Bundes-Impulsfinanzierung bei Ganztagsschulen

14. Februar 2005, 10:58
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Und mehr Tempo in der Bildungspolitik

Für die bauliche Adaptierung von Pflichtschulen für die Führung als Ganztagsschulen schlägt die SPÖ eine Impulsfinanzierung des Bundes in der Höhe von 15 Prozent der Gesamtkosten vor. Die für den Bund entstehenden Kosten schätzte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser bei einer Pressekonferenz am Donnerstag für ein dreijähriges Programm auf 15 Mio. Euro pro Jahr, insgesamt also 45 Mio. Euro. Die Gemeinden als Schulerhalter würden sich die nötigen Investitionen sonst nicht leisten können - ohne Anreize wären die Bekenntnisse zu mehr ganztägiger Betreuung nur Alibiaktionen, so Niederwieser.

Bei der Organisation der Ganztagesbetreuung, also ob in der offenen oder in der verschränkten Form, bevorzuge man im Gegensatz zur Regierung die "echte" Ganztagsschule mit einem Wechsel von Unterrichts- und Betreuungsteil (verschränkte Form), so Niederwieser. Generell halte man aber beide Formen für möglich. Wenn praktisch alle Experten allerdings einräumten, dass vor allem bei den Kleineren eine Ganztagsschule pädagogisch sinnvoller wäre, müsse man sich danach richten. Als Kernzeit stelle er sich dabei die Zeit zwischen neun und 15 Uhr vor, so der SPÖ-Bildungssprecher. Davor und danach müsse es zusätzliche Puffer für die Betreuung geben, da dies für die Eltern wichtig sei.

Für den Betrieb einer Ganztagsschule rechnet Niederwieser mit Mehrkosten von 25 Prozent gegenüber der derzeitigen halbtägigen Form. Die Zeit, die der Schüler in der Schule verbringe, werde ja nicht verdoppelt, außerdem sei der Betreuungsteil geringer zu entlohnen. Momentan koste ein Volksschüler rund 4.500 Euro pro Jahr, in der Ganztagsschule beliefen sich diese Kosten auf nur 1.100 Euro mehr. Würde man also etwa 10.000 Kinder einbeziehen, ergäben sich Mehrkosten von elf Mio. Euro pro Jahr, die zum Teil auch von den Eltern getragen würden. Für die zusätzlichen Betriebskosten plädierte Niederwieser für eine Mischfinanzierung: Der Bund solle die Unterrichtskosten und die Lernbetreuung bezahlen, die Schulerhalter den Betreuungsteil und die Eltern einen Beitrag zum Mittagessen.

Insgesamt will die SPÖ in der Bildungspolitik aufs Tempo drücken, im Ministerium habe "das Prinzip der Entschleunigung sehr viele Anhänger". In dieser Legislaturperiode sei aus dem Bildungsministerium nur eine "Mini-Novelle" zum Schulunterrichtsgesetz und eine zu den Schülerbeihilfen gekommen. Darum müsse nun das Parlament die Initiative übernehmen, so Niederwieser. Gerade Projekte wie die Umstellung der Lehreraus- und -weiterbildung beschließe man ja nicht an einem Tag und habe sie am nächsten bereits umgesetzt. Er fürchte, dass er die ersten Absolventen der neuen Lehrer-Ausbildung erst knapp vor der eigenen Pension erleben werde. (APA)

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