Deutsche Börse legt Pläne für Fusion mit Londoner Börse vor

4. Februar 2005, 10:56
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Sitz der fusionierten Börse soll Frankfurt bleiben - Steuerung von Wertpapierhandel und Termingeschäft von London aus

Frankfurt - Die Deutsche Börse hat am Donnerstag ihre Pläne zur Übernahme der Londoner Börse auf den Tisch gelegt, um die immer lauter werdende Kritik an dem Zusammenschluss zu entkräften. Sitz der fusionierten Börse soll Frankfurt bleiben.

Im Gegenzug sollen wichtige operative Geschäftebereiche wie der Wertpapierhandel und das Termingeschäft von London aus gesteuert werden. Das teilte die Deutsche Börse AG in Frankfurt mit. Den Kunden der London Stock Exchange (LSE) werden umfangreiche Preissenkungen versprochen.

Preis weiter offen

Weiterhin offen bleibt der Preis, den die Deutsche Börse für die LSE bieten will. Er soll mindestens bei dem bereits Mitte Dezember genannten inoffiziellen Angebot von 5,30 Pfund (7,65 Euro) je Aktie liegen. Seitdem hat das Bietergefecht zwischen der Deutschen Börse und dem Konkurrenten Euronext den Kurs der LSE-Aktie in die Höhe getrieben.

Die Deutsche Börse will ihr konkretes Angebot in dem Moment abgeben, wenn der Vorstand der Londoner Börse den Aktionären die Zustimmung zu einer Fusion empfiehlt. Allerdings hieß es, man sei zu dem Schritt auch ohne eine entsprechende Billigung bereit - was dann einer feindlichen Übernahme gleich käme.

Die Fusion würde nach Schätzungen der Deutschen Börse den Gewinn vor Steuern ab dem Geschäftsjahr 2008 um mindestens 100 Mio. Euro jährlich steigern. Davon entfielen drei Viertel auf Kosteneinsparungen und ein Viertel auf Synergieeffekte.

Zusammenschlusses kostet 100 Millionen Euro

Die Kosten eines Zusammenschlusses werden auf weniger als 100 Mio. Euro veranschlagt. Eine weiterhin steigende Dividende sei ebenso geplant wie ein Aktienrückkaufprogramm zur Kurspflege ab Ende 2006.

Mit diesen Versicherungen will die Deutsche Börse der Kritik aus dem Lager der eigenen Aktionäre entgegentreten, dass sich die Übernahme für die Anteilseigner nicht lohne.

"Wir werden den erfolgreichen Markt in London intakt lassen, aber den Handel wesentlich billiger machen", betonte der Vorstandschef der Deutschen Börse, Werner Seifert.

Gebührensenkung geplant

Die künftig von London aus gesteuerten Aktivitäten machen laut dem Übernahmeplan 45 Prozent des Umsatzes der neuen Börse aus, die nach Einschätzung von Branchenkennern auch einen anderen Namen erhalten würde. Die Gebühren im elektronischen Handel sollen ab 2006 um 10 Prozent gesenkt werden, weitere Nachlässe seien wahrscheinlich.

Die Kooperationen der LSE bei der Verrechnung (Clearing) und Abwicklung (Settlement) von Börsengeschäften könnten fortgeführt werden, allerdings würde die Deutsche Börse das Clearing selbst zu einem um 50 Prozent günstigeren Preis anbieten. Damit soll Befürchtungen an der Themse entgegengetreten werden, dass die Preise für das Clearing nach einem Zusammenschluss erhöht würden. (APA)

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