Annullierung von Schladming-Slalom nicht ausgeschlossen

15. Februar 2005, 12:57
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FIS-Präsident Kasper in Sorge um Glaubwürdig­keit - Giorgio Rocca entschuldigt sich für die Reaktion, bekräftigt aber dennoch Aussagen

Bormio - Auch FIS-Präsident Gian-Franco Kasper schließt nach der Zeitnehmungs-Panne in Schladming eine Annullierung des Nachtslaloms nicht aus. Derzeit prüft die fünfköpfige Timing-Kommission der FIS alle Unterlagen. Sollte diese einen Fehler feststellen, wäre laut Kasper eine Annullierung sogar ohne den inzwischen bereits eingebrachten Protest des italienischen Teams möglich. Die Vorfälle in Schladming würden die Glaubwürdigkeit des Skisports in Frage stellen, sagte Kasper in Bormio, wo am Freitag die alpinen Skiweltmeisterschaften eröffnet werden.

Damit steht ausgerechnet wieder ein Slalom im Mittelpunkt von Problemen im alpinen Ski-Weltcup. In der vergangenen Saison hatte in Park City ebenfalls Italien gegen den Re-Run von Rainer Schönfelder protestiert. Das Rennen wurde letztlich zwar gewertet, der Kärntner wartet aber heute noch auf sein Preisgeld für Platz zwei hinter Kalle Palander. Bei einem erfolgreichen Protest wäre Giorgio Rocca auf das Podest gekommen.

Italienischer Skiverband aufgebracht

Der italienische Skiverband lässt die Zeitkorrektur nicht auf sich sitzen. "Wir haben beim Internationalen Skiverband Klage eingereicht und die Annullierung des Slaloms gefordert. Was in Schladming geschehen ist, ist einfach unannehmbar", betonte Flario Roda, italienischer Herrenteamchef, nach Angaben der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Donnerstag-Ausgabe).

Weil im ersten Durchgang von Giorgio Rocca die Zeitnahme zu früh ausgelöst worden war, wurde die Zeit des Italieners um fünf Zehntel von 51,11 auf 51,61 Sekunden korrigiert, er blieb aber in Führung. Der Grund für diese Panne ist noch unklar. Ein erster italienischer Protest gegen Roccas neue Zeit blieb erfolglos.

"Was geschehen ist, ist unerträglich"

Wütend ist auch der Präsident des italienischen Skiverbands, Gaetano Coppi. "Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit des Skisports. Österreich ist die führende Nation in diesem Sport, doch was am Dienstag geschehen ist, ist unerträglich", betonte Coppi. Er warnte vor wirtschaftlichen Interessen, die ihren Schatten auf den Skisport werfen. "Im vergangenen Jahr ist Rainer Schönfelder positiv getestet worden, der Österreichische Skiverband hat aber keine Maßnahmen ergriffen. Bei Hans Knauß wurde Ende 2004 Nandrolon gefunden", kritisierte Coppi.

Inzwischen entschuldigte sich Rocca wegen seines Wutausbruchs nach dem Slalom. "Vielleicht habe ich übertrieben mit meinen Attacken auf die Österreicher. In Wahrheit war ich wegen meines Fehlers verärgert, der mir den Sieg gekostet hat. Ich habe aber im Grunde nichts Komisches gesagt. Im alpinen Skisport zählt man fast gar nichts, wenn man kein Österreicher ist. Die Österreicher haben die Macht, sie sind wie eine Mafia", betonte Rocca nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Donnerstag-Ausgabe).(APA)

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    Schladming brachte die Gemüter zum Kochen.

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