Tagebuch: Abschied aus Porto Alegre

1. Februar 2005, 16:57
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Großkundgebung beendet das Treffen nach knapp einer Woche - Michael Vosatka berichtet aus Porto Alegre

Segunda-Feira, 31 de janeiro de 2005
Sechster Tag

Am Montag heißt es vom Weltsozialforum und von Porto Alegre Abschied nehmen. Eine große Kundgebung beendet das Treffen nach knapp einer Woche. Schon bald teilt sich die Demonstration, überall in der Stadt begegnen wir einzelnen Zügen. Es scheint, als würden die TeilnehmerInnen des Forums die für 2006 beschlossene Dezentralisierung des Forums vorwegnehmen.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat das Forum bei seinem Besuch am Sonntag mit nach Hause genommen: Caracas wurde schon als einer der Veranstaltungsorte im kommenden Jahr fixiert. 2007 wird ein afrikanisches Land Gastgeber des Forums sein. In Porto Alegre wird das Forum also auf längere Zeit nicht mehr Station machen. Das ist schade, denn hier besteht eine perfekte Symbiose zwischen der Stadt und der Sozialbewegung.

Die VerkäuferInnen rund um die Veranstaltungsorte machen ein letztes Mal gute Geschäfte. Die T-Shirts sind fast ausverkauft. Wir haben uns auf dem Forum reichlich mit Informationsmaterial und Erinnerungsstücken eingedeckt. Das Packen ist schwierig, wir müssen zwei neue Taschen besorgen, um alles unterzubringen.

Am Abend wird in der Assembleia Legislativa der Film „Araguaya“ präsentiert. Darin wird eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte Brasiliens aufbereitet: In den frühen Siebziger Jahren während der Diktatur ging das Militär mit brutaler Härte gegen Guerilleiros im Amazonas vor. Viele Menschen sind bis heute verschwunden. Die Öffnung der Archive der Armee ist derzeit Gegenstand heftiger Diskussionen in Brasilien. Auch die Filmvorführung wird von einigen zur Protestkundgebung umgewandelt.

Domingo, 30. de janeiro de 2005
Fünfter Tag

Wir sind auf Besuch bei Freunden in der Nachbarstadt Canoas. Das Mittagessen ist echt brasilianisch: es gibt Churrasco, dazu Guaraná und eine Caipirinha. Das gegrillte Fleisch ist salzig und erhöht den Durst. Das Leitungswasser stammt aus dem Rio Guaíba und enthält reichlich chemische Zusätze, um trinkbar zu sein. Wir trinken Mineralwasser, doch Millionen sind auf aufbereitetes Wasser angewiesen oder verfügen über gar keine Wasserversorgung.

Heute steht das Forum im Zeichen des Besuchs von Venezuelas Präsident Hugo Chávez. Am Vormittag machte er einen Abstecher zu einer Ansiedlung der Landlosenbewegung MST und holte sich Anregungen für die Landreform in Venezuela. Danach stand eine Pressekonferenz und eine Rede im Gigantinho-Stadion auf dem Programm.

"Ich werde mich so kurz fassen, wie ich nur kann", kündigt Chávez den rund vierhundert seit einer Stunde wartenden JournalistInnen an. Das sorgt für Heiterkeit, denn der Präsident ist nicht für kurze Antworten bekannt. Für die fünf Fragen, die gestellt werden dürfen, braucht er dann doch lediglich eineinhalb Stunden.

Kritik an Medienberichterstattung

Eine Kollegin interessiert sich für die Pläne, die die venezolanische Regierung mit dem angekündigten "lateinamerikanischen CNN" Telesur hat. Für die Kritik an der Berichterstattung des brasilianischen Rede Globo-Netzwerks während des Putsches gegen Chávez im April 2002 erhält sie Applaus der anwesenden JournalistInnen.

Für Chávez existiert eine weltweite mediale Diktatur. Die Kinder würden mit Sex and Crime vergiftet, die Medien würden bewusst Lügen verbreiten. So sei in vielen brasilianischen Zeitungen zu lesen, dass die Mitglieder des MST gewalttätige Räuber seien. Bei seinem Besuch heute habe er keine Räuber gesehen, sondern nur Leute, die auf Reisfeldern arbeiten.

Die Medien schreiben, seine Regierung wolle einen kommunistischen Staat nach cubanischem Vorbild errichten, beklagt sich Chávez. Die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder sei jedoch nur eine alternative Form der Integration.

"Bis Aristide zurückkommt, ist Chávez mein Präsident"

Eine US-amerikanische Radiojournalistin berichtet, dass unter den Anhängern des gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide die Parole "Bis Aristide zurückkommt, ist Chávez mein Präsident" zu hören ist. Chávez denkt, dass die Menschen in Haiti ohne Einflussnahme von außen selbst eine Lösung finden müssen. Eine möglichen Ansatz sieht er in einem Referendum.

Mit Ex-US-Präsident Clinton habe er eine gute Gesprächsebene gehabt, sagt Chávez, die Regierung George W. Bushs argumentiere jedoch nur mit Bomben, kritisiert er die jüngsten Aussagen von "Mr. Bush and Mrs. Condolencia Rice".

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Sábado, 29 de janeiro de 2005
Vierter Tag: "Kälter als der Mindestlohn!"

Der Taxifahrer, der uns am Morgen zu unserem ersten Termin fährt, erzählt uns, dass heute der bisher heißeste Tag des Jahres ist. Angekündigt sind bis zu 39 Grad, sagt er. Für die Heerscharen von WasserverkäuferInnen herrscht seit Tagen Hochkonjunktur. "Água bem gelada!" schreien sie an jeder Straßenecke. In Styroporboxen schwimmen zwischen ehemaligen Eiswürfeln Flaschen und Dosen mit Mineralwasser und Guaraná. "Gut gekühltes Wasser, kälter als der Mindestlohn!", preist einer seine Ware an.

Auch die Debatte, die wir besuchen, ist heiß: während bei den meisten Veranstaltungen auf dem Podium weitgehende inhaltliche Einigkeit herrscht, birgt die Liste der ReferentInnen Zündstoff. VertreterInnen von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und der Uno stellen sich den Trägerorganisationen der neuen weltweiten Kampagne zur Armutsbekämpfung "Global Call to Action against Poverty".

Die Summe der Regierungen

Simonetta Nardin vom Währungsfonds meint, sie habe auf dem Forum in vielen Sprachen gehört, eine andere Welt sei möglich - aber nicht mit dem IWF. "Wenn mit der Auflösung des Währungsfonds Armut und Hunger beendet werden würden, wäre ich die erste, die das befürwortet", sagt sie. Der IWF sei jedoch nur die Summe der Regierungen. Daher sei der Dialog wichtig: "Mit allen wichtigen Themen des Forums ist auch der IWF befasst. Die Details kann man diskutieren."

John Garrison, der Vertreter der Weltbank, verteidigt die Politik seiner Organisation in fließendem Portugiesisch. Der Experte fuer Zivilgesellschaft kennt die Verhältnisse in Südamerika genau. Doch seine Argumentation fuer die Öffnung der Maerkte findet im Saal keinen Beifall.

Strukturelle Tsunamis

Fuer Ted van Hees von Oxfam International bedeutet der Status quo eine "Welt von permanenten strukturellen Tsunamis". Solange die ärmsten Länder der Welt mehr für die Schuldentilgung zahlen müssen, als sie für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung haben, könne von effektiver Armutsbekämpfung keine Rede sein. Die reichen Staaten müssten zugesagte Maßnahmen auch durchführen, fordert er. Derzeit erreichen 40 Prozent der versprochenen Gelder die Entwicklungsländer nicht. Van Hees regt daher ein Sanktionssystem für Länder, die ihre Versprechungen nicht einhalten, an - vergleichbar mit den Konsequenzen fuer Staaten, die die Kriterien der Welthandelsorganisation WTO nicht befolgen. So sollen doch noch die Millennium Development Goals der Uno erreicht werden.

"Es gibt keines"

Van Hees fragt provokant John Garrison, er solle ihm ein Beispiel fuer ein Land nennen, das durch Marktöffnung den Sprung aus der Unterentwicklung geschafft hat. Die Antwort gibt José Antonio Ocampo, der bei der Uno für Wirtschaft und Soziales zuständig ist, an der Stelle des Weltbankvertreters: "Es gibt keines."

Am Sonntag besucht der venezolanische Präsident Hugo Chávez das Forum. Vorher lässt er sich noch von der Landlosenbewegung MST ein Camp von LandbesetzerInnen zeigen. Seine Rede wird das Gigantinho-Stadion in Porto Alegre wohl genauso füllen wie der Auftritt Lulas drei Tage zuvor.

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Sexta-Feira, 28 de janeiro de 2005
Dritter Tag: Die Armut ist sichtbar

Am Morgen fällt das Aufstehen schwer: Die Schwüle liegt wie eine Decke über der Stadt. Selbst das Pressezentrum in der Usina do Gasômetro, bisher ein erholsamer Ort, gleicht einer Sauna. Die Klimaanlage ist überfordert, 150 Computer heizen den Raum zusätzlich auf.

Wir entscheiden uns, Diskussionen im Norden des Forumsgeländes zu besuchen. Die ehemaligen Docks des alten Hafens beherbergen Veranstaltungen des Themenschwerpunkts Verschiedenheit und Identität. Von der Decke wird fein zerstäubtes Wasser versprüht, um den Aufenthalt in den Hallen ein wenig erträglicher zu machen. Der Effekt ist mäßig.

Plädoyer für kulturelle Vielfalt

Attac-Gründer Bernard Cassen spricht bei einer Debatte "Englisch und Dollar als Waffen der Hegemonie der USA". Er plädiert fuer eine stärkere Kooperation der Sprach- und Kulturkreise. Seine Koreferenten (auf dem Podium sitzen ausschließlich Männer) fordern kulturelle Vielfalt anstelle eines US-amerikanischen Mainstream-Entertainments.

Auf dem Centro Administrativo in Porto Alegre, dem Regierungsgebäude Rio Grande do Suls, hängt ein gewaltiges Transparent der gestern gestarteten Armutsbekämpfungskampagne "Global Call to Action against Poverty", das beinahe vom ganzen Forumsgelände sichtbar ist. Sichtbar ist auch die Armut überall in der Stadt. Der Kontrast zwischen den Villen der Reichen und den Favelas am Stadtrand, zwischen den europäischen und nordamerikanischen Touristen und den bettelnden Straßenkindern schmerzt.

Zeichen der Solidarität

Die ForumsteilnehmerInnen tragen weiße Bänder der neuen Aktion, ein Zeichen der Solidarität mit denen, die nichts haben, doch von Solidarität alleine werden die Menschen nicht satt.

"Eine andere Welt ist möglich", lautet der Slogan der Sozialforen seit fünf Jahren. Vielleicht ist die White-Band-Kampagne in der Lage, den Weg in diese neue Welt zu bereiten. Es liegt in der Hand der Regierungen.

Bei der Usina do Gasômetro sitzt ein Spanier vor einem Transparent. Er ist im Hungerstreik, ist darauf zu lesen. Die Leitung des Forums habe ihm verweigert, bei einer Veranstaltung zu sprechen, sagt er.

Er ist nicht der einzige, der in den Straßen Porto Alegres hungert.

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Quinta-Feira, 27 de janeiro de 2005
Zweiter Tag: "Hundert Prozent Lula"

Der zweite Tag des fünften Weltsozialforums in Porto Alegre beginnt mit der vielleicht wichtigsten Veranstaltung des Treffens, zumindest für die BrasilianerInnen beim Forum, aber auch für die JournalistInnen: Lula spricht. Der Präsident Brasiliens fungiert als Schirmherr beim Start der neuen internationalen Armutsbekämpfungskampagne "Global Call to Action against Poverty", die von einer weltweiten Allianz aus hunderten Organisationen getragen wird.

Unser Taxifahrer freut sich darüber, dass er uns zum "Gigantinho" fahren soll. Die Sporthalle gehört seinem Fussballklub Internacional Porto Alegre, erklärt er uns, der Stadtrivale Gremio ist beim vergangenen Campeonato Brasileiro Letzter geworden und abgestiegen. Lula und die Politik sind ihm jedoch relativ egal. Gremio oder Internacional, das ist für die Gaúchos, die Einwohner von Brasiliens südlichstem Bundesstaat Rio Grande do Sul, eine Frage der Weltanschauung.

Brutale Selektion

Der Kollege aus Galicien, mit dem wir uns das Taxi zum Gigantinho teilen, fragt uns, ob es am heutigen Tag noch eine Veranstaltung gibt, "die man besuchen muss". Deren gäbe es zuhauf, doch bei der Dichte an hochkarätig besetzten Veranstaltungen, die teilweise gleichzeitig an verschiedenen Ecken der Stadt stattfinden, muss geradezu brutal selektiert werden. Wir nehmen uns vor, die Pressekonferenz von Frei Betto und Selvino Heck zum "Programa Fome Zero", dem Hungerbekämpfungsprogramm der brasilianischen Regierung zu besuchen.

Lula war schon 2003 als frischgewählter Präsident Brasiliens der Star auf dem Forum. Damals besuchten Zehntausende seine Rede auf der Open-Air-Buehne im "Anfiteatro Pôr do Sol" am Rio Guaíba. Diesmal werden vergleichsweise kleine Brötchen gebacken: Ins Gigantinho passen rund 12.000 Menschen. Der Termin um 8:30 ist für die ForumsteilnehmerInnen eine Herausforderung: Die Demonstration und das anschließende Konzert mit Gilberto Gil und Manu Chao steckt vielen in den Knochen: Die Müdigkeit ist vielen der mit "100% Lula"-T-Shirts ausgestatteten BesucherInnen ins Gesicht geschrieben.

Nach zwei Jahren schwimmt der Präsident auch nicht mehr auf der selben Sympathiewelle. Rund fünfzig Aktivisten machen sich während der gesamten Veranstaltung lautstark bemerkbar, Lula sei ein Verräter, rufen sie. Die anwesenden Lula-Fans der Präsidentenpartei PT sind lauter und behalten die Oberhand. Militärpolizisten beziehen Stellung, um die Lager auseinanderzuhalten. Vor dem Stadion demonstrieren indes Anhänger des "Partido Socialista dos Trabalhadores Unificado", der kleinen Linkspartei PSTU.

"Von Menschen verursachter Tsunami"

Die Reden der VertreterInnen der Armutsbekämpfungskampagne gehen beinahe in den Pro- und Contra-Lula-Sprechchören unter. John Samuel vergleicht die Folgen der Armut mit dem Tsunami, der auch sein Heimatland so stark getroffen hat. Täglich würden 50.000 Menschen an den Folgen der Armut sterben. "Die Armut ist ein von Menschen verursachter Tsunami", sagt er.

Coumbá Toure aus Mali erzählt von den Freiheitsverkäufern in Dakar. Diese Straßenhändler verkaufen kleine Voegel, die sie in Käfigen gefangen halten. Wenn man Probleme hat, kann man einem Vogel die Freiheit erkaufen, durch die gute Tat könne man sich besser fühlen. Toure vergleicht die Situation mit jener der Millionen hungernden Menschen. "Wir müssen den Käfig zerschlagen", fordert sie.

Guy Ryder, Generalsekretär der ICFTU (International Confederation of Free Trade Unions) fordert von Lula "100 Prozent gegen Hunger und 100 Prozent gegen Armut"

Ob die Kampagne in der Lage sein wird, den Käfig zu zerschlagen, bleibt abzuwarten. Das Jahr 2005 soll jedenfalls entscheidende Fortschritte bringen. Zahlreiche Aktionen sind geplant: an "White Band Days", die parallel zu großen internationalen Gipfeltreffen wie dem G8-Gipfel, dem WTO-Treffen und der UNO-Versammlung stattfinden, sollen Millionen Menschen mit weißen Bändern die Regierenden an die versprochenen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung erinnern. Am heutigen Tag wird Lula dazu aufgefordert, seinen Teil beizutragen: Coumbá Toure bindet ihm als Mahnung vor seiner Rede ein weißes Band um das Handgelenk.

Link: whiteband.org

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Quarta-Feira, 26 de janeiro de 2005
Erster Tag: Das Forum ist ein Wirtschaftsfaktor geworden

Porto Alegre ist fest in der Hand der BesucherInnen des fünften Weltsozialforums. Seit Wochen sind die Hotels der Millionenstadt ausgebucht. Das Straßenbild ist durch Menschen mit T-Shirts, Umhänge-Taschen und Akkreditierungskarten des Forums geprägt. Schon bei der Ankunft in Brasilien am Sonntag trafen wir zahlreiche ForumsteilnehmerInnen, der Flug von São Paulo nach Porto Alegre war vollbesetzt mit EuropäerInnen und NordamerikanerInnen.

Das Forum ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Der neue Bürgermeister Porto Alegres, Jose Fogaça, hatte vor seiner Wahl im November angekündigt, dass das Forum unter seiner Regierung in Porto Alegre nicht mehr erwünscht sein wird. Zu teuer sei die Veranstaltung, zu groß das entstehende Chaos.

Fröhlicher Hafen

Freilich, das Chaos ist groß, trotzdem funktioniert die Organisation über weite Strecken perfekt. Trotz des unglaublichen Andrangs mussten wir auf unsere Akkreditierungen nur etwa eine Stunde warten. Die Atmosphäre ist beeindruckend entspannt, weder die große Hitze noch die Menschenmassen können daran etwas ändern. Im Gegenteil, Porto Alegre wird seinem Namen gerecht: im fröhlichen Hafen sind wieder tausende fröhliche Menschen zusammengekommen.

Die Einnahmen durch das Forum werden der Stadt jedoch in Zukunft stark fehlen: Die TeilnehmerInnen des Forums geben ein Vielfaches der kolportierten Investitionen von zwei Millionen Dollar aus.

Obwohl sich die Stadtregierung in letzter Minute bemühte, das Forum in Porto Alegre zu halten, ist es das letzte Treffen fuer laengere Zeit: Der Rhythmus eines jährlichen Weltsozialforums hat sich als zu intensiv herausgestellt. Kombiniert mit regionalen, kontinentalen und thematischen Treffen wurde der Terminkalender der GlobalisierungskritikerInnen immer dichter.

Geänderter Modus

Nachdem beim dritten europäischen Sozialforum in London im November 2004 ein Wechsel auf einen eineinhalbjaehrigen Rhythmus beschlossen wurde und das nächste Treffen im April 2006 in Athen stattfinden soll, wurde vom Internationalen Rat auch eine Änderung des Modus für das Weltsozialforum beschlossen. 2006 findet das Treffen in dezentralisierter Form an verschiedenen Plätzen weltweit statt, 2007 wird es erstmals in Afrika veranstaltet. Wo genau, soll noch von den afrikanischen Organisationen beschlossen werden. Vom organisatorischen Aufwand kommen wohl am ehesten Südafrika und Kenia in Frage.

Am Nachmittag wurde das Forum mit einer Kundgebung gestartet. Anschließend fand eine Eröffnungsshow mit einem reichen kulturellen Programm statt. Nicht umsonst ist "cultural diversity" einer der Schwerpunkte des fünften Weltsozialforums. Das Programm reichte von indischem Jazz über heimischen Gaúcho-Sound mit Texten in "Portunhol", einer Mixtur aus Portugiesisch und Spanisch, einer Show der australischen Riesen-Marionetten-Gruppe Snuff Puppets bis hin zu einem Auftritt des französisch-spanischen Sängers und Mitbegründers der globalisierungskritischen Organisation Attac, Manu Chao, der das Programm auch mit einem gemeinsamen Auftritt mit der französischen Band La Phaze beendete.

Heute wird Brasiliens Präsident Lula im Gigantinho-Stadion eine Rede halten. Auch hier wird wohl die Stimmung wie bei einem Popkonzert sein.

Tagebuch aus Porto Alegre

Michael Vosatka berichtet aus Brasilien für derStandard.at

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    Abschlusskundgebung des World Social Forums.

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