Farb-Anschlag auf Berliner Flick-Sammlung

1. Februar 2005, 13:15
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Ausstellung in Zusammenhang mit dem früheren KZ Auschwitz gebracht - Protest-Resolution: Jelinek, Castorf und 240 weitere Unterzeichner schalteten Zeitungs-Anzeige

Berlin - Am 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben Unbekannte einen Anschlag mit Farbe auf die umstrittene "Flick Collection" in Berlin verübt. Nach Polizeiangaben vom Donnerstag verschütteten sie im Eingangsbereich des Museums für Gegenwart Hamburger Bahnhof mehrere Liter weiße Dispersionsfarbe und legten Flugblätter aus. Darauf wurde die im Museum ausgestellte "Friedrich Christian Flick Collection" in Zusammenhang mit dem früheren Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Auf die umstrittene Sammlung hat es seit der Eröffnung im September 2004 bereits zwei Anschläge gegeben.

"1000 Frauen aus Auschwitz mussten im Flick-Konzern arbeiten, viele haben das nicht überlebt", hieß es in dem Flugblatt. Die Sammlung moderner Kunst wurde vom Enkel des NS-Rüstungsunternehmers Friedrich Flick dem Museum für sieben Jahre zur Verfügung gestellt.

Protest-Resolution in FAZ geschaltet

Zum 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und der Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, gegen die "Flick Collection" in Berlin protestiert. Der Aufruf, der von weiteren 240 Intellektuellen, Professoren und Initiativen unterzeichnet ist, soll nach Angaben der Initiatoren erschien am Donnerstag als Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Die Unterzeichner werfen dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dem Land Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor, mit ihrer Unterstützung für die Sammlung von Friedrich Christian Flick "zur Stilllegung der Erinnerung an die Shoa" beizutragen. Die Ausstellung sei ein Denkmal für Flicks Reichtum, das er von seinem Großvater, dem NS-Rüstungsunternehmer Friedrich Flick, geerbt habe.

Die umstrittene Schau im Museum für Gegenwart Hamburger Bahnhof war 2004 eröffnet worden. Flick hat die Kollektion mit 2.700 Werken moderner Kunst für zunächst sieben Jahre zur Verfügung gestellt. (APA/dpa)

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