Skirennen schauen im Büro

3. Februar 2005, 19:45
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++PRO & CONTRA--: Der begeisterte Daumendrücker für die österreichischen Skifahrer darf nichts versäumen - Oder doch besser zu Oropax greifen?

+++ Pro
Von Martin Grabner

Der begeisterte Daumendrücker für die österreichischen Skifahrer und für Hermann Maier im Besonderen sollte keine Fernseh-Übertragung versäumen. Mitarbeitern im Newsroom einer Tageszeitung fällt es relativ leicht, das Renngeschehen auch unter der Woche zu verfolgen. Auf zwei riesigen Plasma-Bildschirmen könnte man theoretisch zwei Skirennen gleichzeitig anschauen. Der Ton ist meist abgedreht, schließlich muss in Ruhe gearbeitet werden. Macht nichts, die anwesenden Mitarbeiter ersetzen das Moderatorenteam voll und ganz. "Am Steilhang hat er locker fünf Zehntel liegen lassen, der Miller". "Wann kommt der Maier?" "Der ist auf einem Termin außer Haus", - die Newsroomassistentin interessiert sich nicht besonders für das Rennen (unser Chef heißt so wie der Skiheld.)

Dann kommt der Maier mit Startnummer 30. Erste Zwischenzeit: zwei Zehntel vorne. Das Telefon läutet. Wer, bitte, ruft jetzt an? Das kann doch nicht sein und wird ignoriert. Zweite Zwischenzeit: Maier drei Zehntel zurück. Das Telefon läutet schon wieder. Haben denn die Leute überhaupt kein Gefühl? Mit gedrückten Daumen kann man kein Telefon abheben. Der Herminator ist bereits in Zielnähe. Wieder läutet es. Also gut, Hände öffnen, den Hörer abheben, ein völlig unwichtiges Telefonat mit einem völlig unsensiblen Menschen führen. Welchen Platz der Maier gemacht hat? Den enttäuschenden vierten. Gewonnen hat so ein Schweizer und angerufen übrigens auch. Aber das ist sicher nur Zufall.

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Contra- - -
Von Stefan Gmündner

Wenn man aus einem Land kommt, das für Käse, Uhren und langsame Skifahrer bekannt ist, sieht man Skirennen mit einer gewissen Beklemmung entgegen. Direktübertragungen sowieso und im Büro empfangbaren erst recht. Nachdem man zeitweilig einen Grippeanfall vorzutäuschen gedenkt, treibt einen das Pflichtbewusstsein schließlich doch in die Firma. Und man hat es gewusst, schon am Gang begegnet einem Kollege M. mit einem hintergründigen Lächeln im Gesicht.

Kurz vor dem rettenden Schreibtisch stellt sich einem dann Kollege I. in den Weg. Er fuchtelt mit den Armen, scheint aufgeregt und stammelt etwas von Abfahrt, Sieg, Österreich und 11 Uhr 30, auch ist er bester Dinge - das kann kein gutes Zeichen sein. Währenddessen hat Kollege A. im Nebenzimmer morgens um halb neun den Fernseher hochgestartet, der auf einer Art Altar steht. Es läuft gerade eine Sendung über eine Makrame-Eulen knüpfende Selbsthilfegruppe im Waldviertel und Melodienfurzer in der Toskana, egal, wahrscheinlich geht es eh nur darum, das Gerät bis zu Rennbeginn auf optimale Betriebstemperatur zu bringen.

Man duckt sich also weg und nimmt Oropax. Teuflisch. Irgendwann ist dann das Rennen vorbei, gewonnen hat wie immer ein Österreicher und zugeschaut hat keiner. Total unnötig. Nicht dass wir uns falsch verstehen, man hätte durchaus nichts dagegen, im Büro zwecks Völkerverständigung gute Miene auch zu bösem Spiel zu machen. Bei Skirennen allerdings will ich allein unglücklich sein, und zwar zu Hause, nicht im Büro. (Der Standard/rondo/28/01/2005)

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    foto: der standard
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