Zukunftsszenarien für Uni Wien im Jahr 2010

17. Februar 2005, 20:02
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"Fokussierungen" durch Geldmangel nötig

Wien - An der Universität Wien geht der Gedankenaustausch darüber, wie die Hochschule im Jahr 2010 aussehen soll, in die Schlussphase. Spätestens im März will man die von den 15 Fakultäten eingebrachten Zukunftsszenarien an den Senat weiterleiten. Letztlich liegt es am Universitätsrat, den einzelnen Projekten die Genehmigung zu erteilen oder zu verwehren.

Mit dem Entwicklungsplan wolle man "alle Anstrengungen unternehmen", um "wieder ,die' Universität Zentraleuropas" zu werden, die man "Anfang des 20. Jahrhunderts war". Als Leitgedanke formuliert das Rektorat auf der Uni-Homepage: "Alles haben zu wollen bedeutet bei knappen Ressourcen, dass die Qualität nicht gehalten beziehungsweise nicht weiter ausgebaut werden kann." Dennoch plane man nicht, das Fächerspektrum zu reduzieren, sondern "Fokussierungen" vorzunehmen. Rektorats-Sprecherin Cornelia Blum sagt im Gespräch mit dem STANDARD, im Entwicklungsplan gelte es "inhaltliche Schwerpunkte" in den einzelnen Studienrichtungen zu setzen.

Walter Schicho, Leiter des individuellen Diplomstudiums "internationale Entwicklungen", hofft indes, überhaupt einmal einen formalen Status zu erlangen. Derzeit sei man trotz über 1000 Studierenden "etwas, was es eigentlich nicht gibt". Denn formal gelten die "Internationalen Entwicklungen" als Projekt, welches räumlich an der Wiener Afrikanistik angesiedelt ist. Inhaltlich versteht man sich als "transdisziplinäre" Wissenschafter, die sich mit der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung menschlicher Gesellschaften befassen.

Der Projektstatus bringt neben administrativen Problemen vor allem finanzielle Schwierigkeiten. Schicho im STANDARD-Gespräch: "Ich habe immer noch kein Geld für das Sommersemester. Wir leben hier auf dem freien Feld." Dabei zieht das Studium beständig Interessierte an. Zu Beginn des laufenden Semesters hatte man 740 Anmeldungen für die Einführungsveranstaltungen, nur 240 Studierende konnten aufgenommen werden. Schicho adressiert an Rektor Georg Winckler: "Er spricht gerne von Innovationen - das hier ist ein innovativer Ansatz." (DER STANDARD, Printausgabe, 27.01.2005)

Von
Karin Moser
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