Gericht: RAI muss Starjournalist Michele Santoro wieder eine Sendung geben

6. Februar 2005, 08:18
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Regierungskritischer Journalist durfte nach Intervention Berlusconis nicht mehr senden - Entschädigung von 400.000 Euro

Der staatliche italienische Fernsehsender RAI muss einem politisch links stehenden Kommentator, dessen Sendung nach Kritik von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an dem Journalisten abgesetzt wurde, wieder einen Sendeplatz einräumen. Das entschied ein Richter am Arbeitsgericht in Rom, wie italienische Medien am Mittwoch berichteten. Die RAI wird Santoro auch 400.000 Euro als Entschädigung zahlen müssen. Das Staatsfernsehen reichte Einspruch gegen das Urteil ein.

Der konservative Regierungschef und Medienmogul Berlusconi hatte Santoro und einem weiteren Journalisten 2002 vorgeworfen, in "krimineller Weise" den mit öffentlichen Geldern finanzierten Sender für die Darstellung ihrer eigenen politischen Positionen zu nutzen. RAI hatte daraufhin Santoro vom Sender genommen.

Debatte um Einfluss Berlusconis

Die Kritik des Regierungschefs und reichsten Mannes Italiens an den beiden Journalisten hatte die Debatte um den Einfluss Berlusconis auf die Medien des Landes angeheizt und Forderungen nach einer Auflösung des Interessenkonflikts per Gesetz lauter werden lassen. Santoro wurde im vergangenen Jahr zum EU-Parlamentarier in den Reihen der oppositionellen Linksdemokraten gewählt.

"Ich bin bereit, sofort an einem neuen Programm zu arbeiten. Die Frage ist, ob es mir die RAI erlauben wird", meinte Santoro. 730.000 Italiener hatten Santoro bei den EU-Wahlen ihre Vorzugsstimme gegeben. (APA)

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