USA: "Idiotenbosse" stehen vor Gericht

3. Februar 2005, 14:47
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Die Ex-Chefs von Enron, WorldCom und Tyco müssen sich wegen Bilanz­fälschungen verantworten - und geben sich unwissend

Wer dieser Tage in New York ein echtes Drama sucht, braucht nicht zum Broadway zu fahren. Abseits des Theater-District, vor dem Bundesgericht wird ein Stück gegeben, bei dem es um Männerfreundschaft, um Untreue, Verrat, Betrug und eine richtige Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte geht - eine der größten Firmenpleiten der amerikanischen Geschichte wird aufgerollt.

Die Anklagebank

Auf der Anklagebank: Bernard Ebbers (63), Sohn eines kanadischen Tankwarts, der sich vor seiner Karriere als Chef des zweitgrößten US-Telekomkonzerns WorldCom als Milchmann und Basketballtrainer verdingte. Kronzeuge der Anklage: Ebbers' einstiger Intimus, Finanzchef Scott Sullivan.

Der 43-Jährige hat den Betrug zugegeben und sich bereit erklärt, im Gegenzug für eine mildere Strafe gegen Ebbers auszupacken. Ebbers Anwälte wollen Einzelheiten über Sullivans angebliche Affären zur Sprache bringen und seine Glaubwürdigkeit damit infrage stellen.

Der Ebbers-Prozess ist der Auftakt einer Serie spektakulärer Wirtschaftsprozesse als Folge der vor gut zwei Jahren aufgeflogenen Exzesse und Betrügereien in den obersten Unternehmensetagen.

Ein Dutzend Verurteilungen, eine Hand voll Freisprüche und ein paar Dutzend Schuldeingeständnisse hat es schon gegeben. Aber jetzt sind die großen Fische dran: WorldComs Ebbers, Enrons Kenneth Lay und Tycos Dennis Kozlowski.

Sagenhafte Bilanzfälschungen

Bei WorldCom wurden die Bücher mit Bilanzfälschungen im sagenhaften Umfang von elf Mrd. Dollar frisiert, um die prekäre Finanzlage zu verschleiern. Das Unternehmen beantragte im Sommer 2002 Gläubigerschutz. 20.000 Mitarbeiter wurden arbeitslos und verloren ihre gesamten Pensionsrücklagen.

Zehntausende Aktionäre verloren 180 Mrd. Dollar (138,2 Mrd. Euro). Die Firma ist inzwischen saniert und mächtig geschrumpft als MCI Inc wieder im Geschäft.

Ebbers, der sein Tausendsassa-Image immer mit Jeans und Cowboyhut pflegte, ist wegen Wertpapierbetrugs, Verschwörung und Falschaussagen angeklagt. Bei einem Schuldspruch drohen ihm 85 Jahre Haft.

Ebbers gibt sich kämpferisch unwissend. Von den dunklen Machenschaften seiner Mitarbeiter habe er nichts gewusst, beteuert er und seine Anwälte sagen, als Finanzlaie habe er das ohnehin nicht verstehen können.

Unverständnis

So argumentieren auch Kenneth Lay und Jeff Skilling, die ehemaligen Chefs von Enron, einst einer der weltgrößten Energiehändler, der Ende 2001 nach riesigen Bilanzbetrügereien unterging. Lays Prozess soll im Frühjahr in Houston, Texas, beginnen.

Auch Dennis Kozlowski, der den Mischkonzern Tyco leitete und im Bundesgericht in Manhattan eine Tür weiter als Ebbers vor dem Richter steht, gibt vor, die Welt nicht mehr zu verstehen. Er habe die Firmendarlehen im dreistelligen Millionenbereich, die er sich genehmigte, für legal gehalten. "Idiotenboss-Strategie" nennen dies US-Kommentatoren, die Frage ist: Geht sie auf?

Die Ankläger setzen auf "umgekippte" Manager aus der zweiten Reihe. Wie Sullivan gegen Ebbers soll im Fall Enron der ehemalige und nach einem Schuldbekenntnis mit zehn Jahren Haft belegte Finanzchef Andrew Fastow auspacken. (dpa, (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.01.2005)

Christiane Oelrich aus New York
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    Dem Ex-WorldCom-Chef Bernard Ebbers drohen bis zu 85 Jahre Haft.

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