Jahn-Denkmal soll eine Zusatztafel bekommen

2. Februar 2005, 12:41
posten

Diskussion um deutschtümelnde Inschrift

Salzburg - "Eine Entfernung ist nicht richtig. Man soll die Geschichte nicht auslöschen, aber man soll den historischen Kontext mit einer Zusatztafel erklären." Diese Lösung im Konflikt um jene Büste im Salzburger Kurgarten, mit der Turnvater Johann Friedrich Jahn geehrt wird, will SP-Landtagsklubobmann David Brenner in den nächsten Tagen seinem Parteifreund Bürgermeister Heinz Schaden unterbreiten. Schaden selbst kann sich inzwischen auch vorstellen, dass die Ideologie Jahns von Historikern auf einer eigenen Tafel neben dem Denkmal erklärt wird, so der Bürgermeister im STANDARD-Gespräch. Brenner hatte 2003 mit dem vom Salzburger Renner Institut initiierten Kulturprojekt "Unschärfen" die "Gegenwart nationalsozialistischer Vergangenheit in Salzburg" kritisiert. Am Titelbild der dazugehörenden Postkartenedition: Die Jahn-Statue.

Anlass der Debatte ist ein Beschluss der Stadtregierung, die durch diverse Vandalenakte arg in Mitleidenschaft gezogene Statue zu restaurieren. Ein Antrag der Bürgerliste, die Inschrift am Sockel "den Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden" zu entfernen, wurde von SPÖ und ÖVP abgelehnt. Der deutsch-völkische Antisemit Jahn gilt als einer der ideologischen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Deshalb hat beispielsweise die oberösterreichische SPÖ auf ihrem Landesparteitag 2003 ihre Mandatare in den Gemeinden aufgefordert, "in geeigneter Weise für öffentliche Information über das extrem rassistische und antisemitische Gedankengut Jahns zu sorgen."

Kritik am Salzburger Beschluss hat auch der Innsbrucker Politikwissenschafter Anton Pelinka geübt. "Ich bin von der Salzburger SPÖ negativ überrascht, ich kann Bürgermeister Schaden nicht wirklich verstehen", so Pelinka im STANDARD-Gespräch. Nur den "rassistischen" Text zu entfernen, wie von den Stadtgrünen gefordert, sei ohnehin "eine milde Variante". Eine erklärende Tafel wäre auch aus Sicht Pelinkas "sinnvoll". (neu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 1. 2005)

Share if you care.