Ausstellung zum "ersten Pop-Star der Politik"

2. Februar 2005, 12:41
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Schau im Wien Museum am Karlsplatz enthält rund 400 Fotos, Dokumente, Filmaufnahmen und Kunstwerke rund um John F. Kennedy

Wien - Leben, Politik und den Mythos John F. Kennedys zeigt ab eine Ausstellung im Wien Museum am Karlsplatz. Präsentiert werden rund 400 Fotos, Dokumente, Filmaufnahmen und Kunstwerke rund um den berühmten US-Präsidenten, der 1963 durch ein Attentat ums Leben kam. Ein Spezialteil der Ausstellung widmet sich dem Gipfeltreffen zwischen Kennedy und dem damaligen Sowjetchef Nikita Chruschtschow Anfang Juni 1961 in Wien, der die österreichische Hauptstadt in die internationalen Schlagzeilen rückte.

"Kennedy war der erste Fernsehpräsident, der erste Popstar der Politik", erklärte Andreas Etges, Kurator der Kennedy-Ausstellung. "Und er war so jung im Vergleich zu den anderen politischen Repräsentanten, Anfang 40. Er war wirklich jemand, der sagen konnte: Ich stehe für eine neue Generation." Das habe unter anderem die Faszination ausgemacht, die von dem US-Präsidenten ausging. Auch seine schöne Frau Jacky habe viel zum Mythos um Kennedys Person beigetragen. Und: "Er ist ein Meister der Inszenierung gewesen", betont Etges.

Wie ein Mythos kreiert wurde

Die Ausstellung wurde im Auftrag des Deutschen Historischen Museums anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Kennedys berühmtem Berlin-Besuch am 26. Juni 1963 konzipiert und war zunächst in Berlin zu sehen. In Wien wird nun eine gekürzte Version präsentiert, vor allem aus Platzgründen. Ihm sei es um eine "historisch-kritische" Darstellung Kennedys gegangen, betont Etges. "Wir wollen zeigen, wie der Mythos Kennedy entstanden ist, aber auch wie die Familie und teilweise die Medien mitgeholfen haben, den Mythos zu schaffen. Die haben gekämpft, damit nichts Negatives an die Öffentlichkeit gelangt."

Der Kalte Krieg war damals in vollem Gange, in Kennedys Regierungszeit zwischen 1960 und 1963 fielen unter anderem der Vietnamkrieg, die Kuba-Krise und der Mauerbau in Berlin, ebenso der erste amerikanische Raumflug durch John Glenn - womit die USA den Vorsprung der Sowjetunion in der Raumfahrt wieder aufholten. "Es gab eine enorme Verdichtung der internationalen Themen in dieser Zeit", sagt Etges.

Der historische Wien-Besuch

Auch Wien stand im Jahr 1961 für zwei Tage im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit: Am 3. und 4. Juni trafen sich Kennedy und Chruschtschow in der österreichschen Hauptstadt. Der Sonderteil der Ausstellung zu diesem Treffen ist extra für das österreichische Publikum konzipiert worden. Zweieinhalb Wochen habe die Stadt gehabt, um auf das Treffen vorzubereiten und sei "vor ganz enorme logistische Probleme" gestellt worden, erklärte Kuratorin Michaela Lindinger.

Politisch brachte der Gipfel keine Richtungsänderung - das "Wunder von Wien" sei ausgeblieben, schrieben Journalisten hinterher. Allerdings: "Der Gipfel war der Anfang, so dass sich Wien wieder als Weltstadt präsentieren konnte", führt Lindinger aus. In der Folge sei die österreichische Hauptstadt - auch aufgrund der Neutralität Österreichs - zur prominenten Konferenzstadt geworden. Die Extra-Ausstellung zeigt, "wie die Stadt Wien sich bei dem Treffen inszeniert hat" - in altem imperialen Glanz.

Kennedy & Bush im Vergleich

Ob die Kennedy-Ausstellung auch einen Bezug zur Gegenwart herstellt? Kurator Etges verweist unter anderem auf einen Redeausschnitt von Kennedy, in dem dieser sich für einen größeren Einfluss der UNO ausspricht. "Das war eine ernste Sache, die Annahme, dass man die Probleme mit den Alliierten gemeinsam lösen muss." Kennedy habe versucht, den Kalten Krieg anders zu sehen, mit Chruschtschow zusammenzuarbeiten. "Und er war bereit, aus Fehlern zu lernen." Außerdem habe Kennedy regelmäßig große Pressekonferenzen abgehalten. "Er hat sich dem ausgesetzt - und das ist ja etwas, was (der amtierende US-Präsident) George W. Bush absolut vermeidet: Sich Kritik anhören zu müssen." Die Ausstellung läuft bis zum 24. April dieses Jahres.(APA)

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    Teil der Ausstellung ist auch die Limousine, ein über sechs Meter langer Fleetwood, in dem das Ehepaar Kennedy im Jahr 1961 durch Wien fuhr.

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