Veras Kasperl im Quotenglück

4. April 2005, 11:29
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Virtuos wie in der "Sendung ohne Namen" arbeitet David Schalko auch in "FM4 T.V." mit Soundcollagen - Zu sehen am Donnerstag

Virtuos wie in der "Sendung ohne Namen" arbeitet Regisseur David Schalko auch in "FM4 T.V." mit seinen Soundcollagen. Und gratuliert damit dem Jugendradio am Donnerstag um 22.55 auf ORF 1 zum zehnten Geburtstag.

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FM4 ist ein Geschenk des Universums, aus der Ursuppe entstanden und kurz darauf im Ultraschall zu sehen: So muss sich die Geburt des Radiosenders vor zehn Jahren in David Schalkos Vorstellungswelt abgespielt haben, so zeigen er und Elisabeth Scharang es jedenfalls den Zuschauern in "FM4 T.V." heute im Rahmen der Donnerstagnacht um 22.55 Uhr.

Schalko greift auf die bewährten Soundcollagen der ebenfalls von ihm produzierten "Sendung ohne Namen" zurück: Mit Musik unterlegte Szenen erhalten durch stetes Wiederholen eine eigene Ästhetik, wirken mitunter entblößend: ÖVP-Politiker Andreas Khol im "ZiB"-Studio etwa, der zu sanftem Groove und einer Pirouetten drehenden Primaballerina Worthülsen stottert. Die Assoziationsketten sind vielfältig wie das FM4-Programm, reichen von Jugendarbeitslosigkeit, Hochschulgebühren bis zu Raubkopien oder HipHop-Kultur. Das vermeintliche Jugendthema Nummer eins bleibt in den 25 Minuten überraschend unangetastet: "Ich vermute, jeder Jugendliche hat über Sex schon alles gehört, was er wissen will", meint Schalko im Gespräch mit dem STANDARD.

Gewisse Freiheiten

FM4 kritisiere die Gesellschaft, hält Schalko dagegen: "Der Sender steht für eine Haltung, geht mit Jugendkultur als kulturellem Begriff um. Wir wollten das aufgreifen."

Ist FM4-Musik auch Schalkos Musik? "Noch", lacht der 32-Jährige. "In fünf Jahren wahrscheinlich nicht mehr. Ich mag die Abendsendungen, Blumenau und so. Der Nachmittag droht wie bei Ö3 und Privatradios zur Musikabspielstation zu verkommen."

Schalko ist beim ORF gut gebucht. Neben dem gelungenen FM4-Experiment und der bis Herbst pausierenden "Sendung ohne Namen" erarbeitete er sich eine Trademark für qualitätsvolle Unterhaltung: und fährt damit gute Quoten ein. Vor allem mit "Dorfers Donnerstalk", bei dem er Regie führt. Dafür genießen nicht nur Alfred Dorfer und Florian Scheuba, sondern auch er Freiheiten. Besonders subtil nutzt sie Schalko in der "Sendung ohne Namen", wenn etwa zum Satz "Das Fernsehen unterfordert sein Publikum permanent" das "Vera"-Logo erscheint. Rügen vom ORF gab es dafür noch keine. "Es stimmt ja auch", sagt Schalko.

Beschränkter Wirkkreis

"Wir achten, dass niemand persönlich beleidigt wird. In dreißig Jahren gab es kaum politische Satiresendungen in Österreich. Medienkritische TV-Formate fehlten einfach. Das haben wir uns erarbeitet." Sein Wirkkreis sei ohnehin beschränkt, weiß Schalko: "Den Zuschauern von ,Vera' wird es relativ wurscht sein, was ein Kasperl um 23.15 behauptet. Hätten wir über längere Zeit schlechte Quoten, dann wäre es ein Problem. So ist uns noch nichts passiert."

Zuletzt musste sich der Regisseur dennoch Kritik gefallen lassen: Dem von ihm entwickelten "Undercover" wird Product Placement vorgeworfen. Schalko hält die Vorwürfe für "aus der Luft gegriffen", schrieb er "profil". Schelte gab es auch für "Sunshine Airlines", ab 10. Februar hebt die Fluglinie mit überarbeitetem Konzept, ohne Zwillinge neu ab. "Auf sie zu verzichten, ist uns nicht schwer gefallen", gesteht Schalko. Dafür geht die Crew auf Städtereisen, zu Beginn etwa nach Kopenhagen, um Regisseur Lars von Trier über "Zentropa" zu befragen.

Auf die Gage hat sich der Erfolg nicht niedergeschlagen: Mit einem Budget von rund 20.000 Euro "werde keiner reich". Doch Schalko ist genügsam: "Es macht Spaß, und man muss nicht bei allem reich werden." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 27.1.2005)

  • David Schalko schaut "FM4 T.V.": Am Bildschirm Moderator Martin Blumenau. "Der Nachmittag droht wie bei Ö3 und Privatradios zur Musikabspielstation zu verkommen."
    foto: orf

    David Schalko schaut "FM4 T.V.": Am Bildschirm Moderator Martin Blumenau. "Der Nachmittag droht wie bei Ö3 und Privatradios zur Musikabspielstation zu verkommen."

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