Katalysator für eine "andere Welt"

Redaktion, 28. Jänner 2005 11:44

Weltsozialforum in Brasilien eröffnet - 100.000 Teilnehmer beraten Widerstand gegen Neoliberalismus und Krieg

Mit einer bunten Demonstration und einem Konzert hat am Mittwochabend das fünfte Weltsozialforum begonnen. Afrobrasilianische Trommler, Attac-Aktivisten aus Europa, US-Gewerkschafter und Puppenspieler aus Australien zogen aus dem Zentrum Porto Alegres auf ein Konzertgelände. Gilberto Gil und Manu Chao waren die Stars des Abends.

"Eine andere Welt ist möglich"– unter diesem Motto sind wieder mehr als 100.000 Globalisierungskritiker aus sämtlichen Kontinenten in Südbrasilien zusammengekommen. Die Menschenrechte und der Widerstand gegen Neoliberalismus und Krieg stehen auf der Agenda.

Aus dem indischen Mumbai brachten die Organisatoren die Einsicht mit, dass es weniger auf große Namen als auf Querverbindungen zwischen den Basisaktivisten ankommt.

Dennoch werden mit Spannung der portugiesische Schriftsteller José Saramago, sein Kollege aus Uruguay, Eduardo Galleano und der Befreiungstheologe Leonardo Boff erwartet. Schon im Vorfeld regte Boff an, das Forum solle ein, zwei konkrete internationale Kampagnen anstoßen, etwa gegen die Wasserprivatisierung oder gegen die Kriege in der Welt.

Die Vernetzung und Bündelung der Aktivitäten würden diesmal durch die neue Veranstaltungsstruktur erleichtert, hofft Antonio Martins von? Attac-Brasilien: "Das Forum wird noch horizontaler, aber auch dichter." Entsprechend finden die gut 2000 Veranstaltungen in elf Themenbereichen und fünf "Querschnittsachsen" statt.

Die Kritik von Brasiliens Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva, das Forum drohe zu einer beliebigen "ideologischen Messe" zu verfransen, lässt Martins nicht gelten: "Der nicht hierarchische Charakter und die Themenvielfalt sind ja gerade unsere Stärke."

Auch João Pedro Stedile, der Kopf der brasilianischen Landlosenbewegung MST, sagt: "Das Forum bleibt vor allem ein Raum der Begegnung für Intellektuelle, Organisationen und soziale Bewegungen." Hunderte Kleinbauern vom Dachverband Vía Campesina berieten über einen Zeitplan für die Mobilisierung gegen Gentech-Konzerne und die Liberalisierung des Weltagrarhandels.

Auf einem gut vier Kilometer langen Streifen entlang des Guaíba-Sees erstrecken sich über 200 Zeltbauten. Großveranstaltungen gibt es nur noch außerhalb des offiziellen Programms: Lula, von 2001 bis 2003 einer der umjubelten Stars von Porto Alegre, stellt heute in einer Sporthalle seine Initiativen gegen den Hunger und eine Zwischenbilanz seiner zweijährigen Regierungszeit vor. Schon während der Auftaktdemonstration protestierten Mitglieder brasilianischer Linksparteien lautstark gegen seine Wirtschaftspolitik.

"Lula stellt die Affirmation des Alten dar", sagte die Abgeordnete Luiciana Genro. Der Präsident liege nun ganz auf der "Davoser Linie", meint Genro, die Ende 2003 aus der regierenden Arbeiterpartei ausgeschlossen wurde. "Er glaubt nicht mehr , dass eine andere Welt möglich ist".

Für Genro ist nun Hugo Chávez der größte Hoffnungsträger in Lateinamerika: "Chávez bezieht klar Stellung gegen den US-Imperialismus und den Großgrundbesitz." Der venezolanische Staatschef wird am Sonntag erwartet.

Indes beschloss der Internationale Rat, in dem über 100 Organisationen vertreten sind, das Forum im kommenden Jahr zu dezentralisieren. "So kann es in verschiedenen Teilen der Welt Wurzeln schlagen", erklärte der Brasilianer Sérgio Haddad. 2007 soll das Weltsozialforum erstmals in Afrika stattfinden. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2005)

Gerhard Dilger aus Porto Alegre
Kommentar posten
22 Postings
The Llama
27.01.2005 23:42
am besten...

am besten finde ich ja SambATTAC.

samba tanzen für den weltfrieden.

yes. darauf hat die welt gewartet. noch besser kann man gelangweiltes pseudo-engagement nicht darstellen

Kolo Mann
27.01.2005 13:57
find ich ja entzückend

dass die Industriellenvereinigung in ihr traineeprogramm jetzt auch aktives ATTAC-Bashing im Standard Forum aufgenommen hat.
nur ein tip: die postings etwas präziser gestalten, psychologisch überlegter und in ihrer absicht weniger offensichtlich

kmmh2000
27.01.2005 14:28

Ich habe mit einem Traineeprogramm der IV ungefähr soviel zu tun wie Mutter Beimer mit Hooligans.

Frage mich nur, wie sie auf die Idee kommen, dass es irgendjemandes organisiertes Anliegen sein könnte, auf eine Lachnummer verbal einzuprügeln, glauben Sie mir, ich mache das alleine zu meinem privaten Vergnügen, und dafür brauche ich nicht auf Offensichtlichkeit zu verzichten.

Nehmen Sie diese Clowns von Attac nicht so wichtig, das hilft! Machen Sie es wie ich: ein nettes Amusement am Nachmittag, dazu sind Hofnarren ja da :-))

Kolo Mann
27.01.2005 14:38

wenn sie also völlig desorganisiert auf eine angebliche lachnummer in aller offensichtlichkeit verbal einprügeln machen sie das zu ihrem privaten vergnügen?

sofern mir diese gedankenwelt auch ist, sie bestätigt doch nur die vermutung, dass diese befriedigung seiner selbst durchaus organisiert vonstatten gehen kann, wo doch der pekuniäre aspekt hinzutritt.

der scherzhafte einwurf am ende macht mich beinahe sprachlos (ob seiner D.........), aber ich empfehle stattdessen die simpsons anzuschauen, das hilft wirklich.

kmmh2000
27.01.2005 12:33
Attac

eine Organisation, die wahrscheinlich gegen alles ist, was der Realität entspricht, vom Welthandel über die Globalisierung zum Neoliberalismus über die Umweltverschmutzung zur unterschiedlichen Einkommensverteilung und natürlich (darf nirgends fehlen, nicht am Volksstimmefest und auch nicht bei der Miss World Wahl) für den Weltfrieden ist. Und die nennen sich Attac, das ist ein kleiner Treppenwitz der Geschichte:-))

Kolo Mann
27.01.2005 13:46
a wunder

ihrem posting läßt sich einerseits entnehmen, dass sie keinerlei Ahnung haben was ATTAC tatsächlich ist, weswegen sie auch zu dem Wörtchen "wahrscheinlich" greifen müssen, andererseits dass sie eine etwas eigentümliche Auffassung von Realität haben, wenn sie diese als Synonym zum "Neoliberalismus" begreifen.

mittel und wege zu suchen die welt in einen akzeptableren zustand zu bringen ist weder wirklichkeitsfremd noch hoffnungslos. oder glauben sie der "Neoliberlismus" ist vom Himmel gefallen?

das sie die feine Ironie in der namenswahl entdekct haben, spricht für sie, dass sie sie nicht verstehen leider nicht.

kmmh2000
27.01.2005 14:06

Ich sehe weder mich noch sonst jemanden in einer Situation, in der man wissen müsste, wer oder was Attac ist oder zu sein glaubt. Das, was ich deren Homepage entnehmen kann, im besonderen die an Sonderschultheater erinnernden Aktionismen, reicht, um meinen oberflächlichen Eindruck zu bestätigen. Ich wiederhole mich: ein Treppenwitz der Geschichte, unzufriedene, verwöhnte und ziellose Illusionäre und Fantasten, deren Aktivitäten vor allem einem Zweck dienen: ihr eigenes Bedürfnis nach Selbstbefriedigung und -verwirklichung zufrieden zu stellen.

Kolo Mann
27.01.2005 14:30
naja immerhin

setzen sie sich ja damit auseinander, zumindest soweit dass sie glauben hier ihren oberflächlichen senf dazu geben zu müssen.

aber ich bewundere ihre deutungsgabe. aus einem blick auf eine Internetseite derartig fundierte analysen über die Motive von Menschen die nicht auf ihrem arsch sitzen bleiben zu liefern, nötigt mir respekt ab.

btw: nur zur klärung:
'Ein Treppenwitz sein': Ein Treppenwitz ist ein Einfall, der aber (leider) zu spät kommt. Auch (im weitesten Sinn: "eine verpaßte Gelegenheit").

Der Ursprung liegt wohl im Französischen: "Esprit d'escalier" und meint das gleiche wie zuvor beschrieben .

Seien wir optimistisch: es ist nie zu spät!

kmmh2000
27.01.2005 14:42

schön langsam steigt in mir die Befürchtung hoch, dass sie wirklich, allen Ernstes und ohne Ironie die "Anliegen" (Tobinsteuer und weitere nobelpreisverdächtige Regulative) Ernst nehmen und unterstützen.

Jetzt bin ICH sprachlos, widme mich wieder der Arbeit, irgendwer muss ja den Turbokapitalismus unterstützen.

uni versalis
27.01.2005 13:26
man ist gegen alles aus diese welt, ohne es nachvollziehbar begründen zu können.

naiv, konzeptlos, und (trotz einer durchaus angeblich friedensorientierten, pazifistischen und toleranten "positionierung") durchaus gewaltbereit und bei anders denkenden ohne nachsicht.

Der Rebell
27.01.2005 08:36
toll

HAt da jemand vielleucht vor zwei tagen am späteren machmittag FM4v gehört. Da wurde doch der österr. vertreter von attac befragt, was er denn so beim sozialforum machen werde, etc.

Seit diesem interview weiß ich, dass ich attac nicht mehr weiter unterstützen werde, ein skandal, was der typ so von sich gegeben hat.

MoneMond
27.01.2005 13:28
was genau...

hat er denn gesagt, der Typ von attac-österreich ???

g f
27.01.2005 12:48
was hat der gesagt?

Bei Attac hab ich auch die erfahrung gemacht, die sind halt ein bissche gegen alles...

Peter Mayr
27.01.2005 05:05
Widerstand gegen die Vernunft des Marktes ...


ist ein Kampf gegen Windmühlen ...

die ja neuerdings von diesen Katalysatoren entgegen aller energiewirtschaftlicher Realität ...

mit Begeisterung subsidisiert werden ...

J. Habermas
 
26.01.2005 20:02

Blabla, rabarber, fasel, laber!

jimmy durante
26.01.2005 20:57
sie führen selbstgespräche!

g f
27.01.2005 09:21
wo er recht hat...

Naja, ganz unrecht hat er nicht:

Wenn 100.000 Teilnehmer von 100 verschiedenen Organisationen über 1000 Themen diskutieren (von den Auswirkungen der Globalisierung über den Irakkrieg bis zum Walfang), dann wird das Ergebnis nicht so berauschend sein.

Aber sicher eine tolle party, und wahrscheinlich kann man sich dort billig Rastalocken wutzeln lassen ;-)

J. Habermas
 
26.01.2005 22:00
Die Linke labert, die Rechte regiert...

...und das ist auch gut so!

pepiongl
31.01.2005 14:25
für wen ?

reul
27.01.2005 09:18
dann...

...müssten sie aber zur linken gehören.

J. Habermas
 
27.01.2005 21:05

...tu´ ich aber nicht.

pepiongl
31.01.2005 14:56
und das ist auch gut so...

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