Theater an der Wien: Die Mozart-Geburt eines Opernhauses

1. Februar 2005, 12:22
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Programm für das Jubiläumsjahr 2006 präsentiert

Wien - Als es es vor Jahren darum ging, das Musical aus dem Theater an der Wien herauszudiskutieren, waren Mozart und dessen durch Wiener Festwochen und Staatsoper vollzogene musikalische Umsetzung die Auslöser. Vor allem Staatsoperndirektor Ioan Holender nahm diese Gelegenheit gerne wahr, um sich für ein drittes Opernhaus stark zu machen; leider, indem er das Musicalgenre pauschal als eher wertlos verunglimpfte, wo doch die berechtigte Frage ausgereicht hätte, ob Wien wirklich drei Musicalhäuser braucht.

Am Diskussionsende hätte er das Theater an der Wien gerne selbst in den Staatsopernverbund eingegliedert. Und bekam es doch nicht. Leider wurde nicht einmal aus seinem mit Hans Landesmann (dem ersten Planer der Opernvorhaben im Theater an der Wien) ersonnenen Projekt, im Mozartjahr Regisseur Peter Konwitschny vier Gluck-Opern inszenieren zu lassen, etwas. Roland Geyer, zum Chef des Theaters an der Wien bestellt, lehnte das Projekt als zu teuer ab. Es wird nun übrigens höchstwahrscheinlich ab 2008 mit einem deutschen Opernhaus verwirklicht.

Die Verschmelzung

Verständlich jedenfalls, dass sich Holender nun, da die Pläne für das Mozartjahr im Theater an der Wien präsentiert wurden, die kleine Symbolgeste nicht nehmen ließ, sein Kommen kurzfristig abzusagen. Er ließ sich von seinem Dramaturgen Peter Blaha vertreten, um die erste Mozart-Premiere anzukündigen; Idomeneo (27. Jänner 2006, mit Neil Shicoff), die einzige Koproduktion von Staatsoper und neuem Opernhaus. Sie wird 2007 noch einmal zu sehen sein.

Bezüglich des Theaters an der Wien ist indes klar, dass sich auch ab 2007 die Wiener Festwochen als Koproduktionspartner präsentieren und dass die Festivals Osterklang (Geyer bleibt Intendant) und Klangbogen mit dem neuen Haus verschmelzen werden. Das Jahr 2005 ist wegen Mozart einerseits eine Ausnahme. Und doch ist es als Jahr des Übergangs imstande, die Konturen des Opernkonzeptes von Geyer kenntlich zu machen: Ein Stagionehaus soll mit einer Premiere pro Monat (inklusive Wiederaufnahmen) und einem Konzertteil (etwa: zweimal Wiener Philharmoniker mit Simon Rattle im Dezember 2006) ausgestattet werden. Insgesamt bestreitet man mit einem 26-Millionen-Budget 100 Spieltage.

Die Schuldigkeit

Drei Kooperationsprojekte gibt es 2006 mit den Festwochen: Lucio Silla, das kommenden Sommer Premiere hat, wird wieder aufgenommen. Neu sind Die Zauberflöte (Regie: Krystian Lupa) und Così fan tutte (Regie: Patrice Chéreau). Der Osterklang steuert das Singspiel Die Schuldigkeit des ersten Gebots (mit Nicolaus Harnoncourt) bei. Internationale Koproduktionen betreffen La Clemenza di Tito und Don Giovanni, an den Erwin Schulhoffs Flammen "angehängt" werden.

Zudem: Mozarts Requiem wird John Neumeier choreografieren; und Komponist Bernhard Lang schreibt Odio Mozart/I Hate Mozart. Es spielt das Klangforum Wien. Karten sind ab heute, dem 249. Geburtstag Mozarts, erhältlich. Ab Jänner 2006 wird auch das "Figaro-Haus" in der Wiener Domgasse als Mozarthaus mit drei Ausstellungsebenen Besucher anlocken.

Die Wohnung des Komponisten im ersten Stock wird neu adaptiert. Sie wird weiterhin vom Wien-Museum betreut. Im Kellergeschoß wird außerdem ein Veranstaltungsbereich eingerichtet, der bis zu 100 Personen fassen kann. Darin sollen Symposien stattfinden und moderne Interpretationen von Mozartopern.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.2005)

Von Ljubisa Tosic

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theater-wien.at

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