Gallus-Pleite: Strafanzeige der AK

3. Februar 2005, 14:47
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Belgischer Eigentümer wegen Verdachts auf betrügerische Krida bei der Übertragung der Markenrechte angezeigt

Klagenfurt - Die Arbeiterkammer Kärnten geht nun mit einer Strafanzeige gegen den belgischen Eigentümer der Wolfsberger Schuhfabrik Gallus vor. Es bestehe der Verdacht der betrügerischen Krida gegen Gerard van Spaendonck wegen dessen Vorgangsweise bei der Übertragung der Markenrechte. Van Spaendoncks Rechtsanwalt Franz Großmann wies gegenüber der APA sämtliche Anschuldigungen zurück. Er erhob seinerseits Vorwürfe gegen jene Wirtschaftsprüfer, welche die Gallus-Bilanz testiert hätten sowie gegen den Geschäftsführer der insolventen Wolfsberger Fabrik.

Streit um Markenrechte

Im Juni 2004 wurden die Rechte für die Marke Gallus von der Vertriebsgesellschaft Gallus Marketing & Sales zur Sicherstellung möglicher Ansprüche auf Van Spaendonck persönlich übertragen. Dieser hatte dafür die Haftung für einen Kredit in der Höhe von 800.000 Euro übernommen. Eben diese Vorgangsweise wird nun von der AK als "unzulässig" bezeichnet. Die Garantieerklärung wirke wie Eigenkapital und könne bei einer Unternehmenskrise nicht zurückgefordert werden.

Eigentümer van Spaendonck hingegen kaufte die verpfändeten Markenrechte um 800.000 Euro zurück. Laut Sachverhaltsdarstellung der AK an den Staatsanwalt war "die Besicherung in Form der Übertragung der Markenrechte darüber hinaus vollkommen inkongruent, weil die Markenrechte den gesicherten Betrag ganz offensichtlich weitaus übersteigen". Für AK-Direktor Winfried Haider sind diese "Machenschaften" aufklärungswürdig.

Ausarbeitung einer Sachverhaltsdarstellung

Die AK beauftragte daher die Klagenfurter Anwaltskanzlei Quendler mit der Ausarbeitung einer Sachverhaltsdarstellung. Darin heißt es wörtlich: "Sowohl Gerard J.F. van Spaendonck als auch der Geschäftsführer der Gallus Marketing & Sales GmbH, Herr Christian Berger, kannten die Eigenkapitalersatzfunktion der gewählten Konstruktion sowie das (...) damit verbundene Rückzahlungsverbot".

Die gewählte Konstruktion hätte sowohl den Vermögensstatus der Gesellschaft verschlechtert als auch die Ansprüche der Gläubiger geschmälert, womit sich Eigentümer und Geschäftsführer abgefunden hätten, heißt es weiters. Daher liege in der unzulässigen Rückzahlung der eigenkapitalersetzenden Forderung nicht nur Gläubigerbegünstigung vor, sondern es werde auch der Tatbestand der betrügerischen Krida verwirklicht.

Großmann hingegen weist darauf hin, dass sich Van Spaendonck und die Masseverwalter verglichen hätten: "Es gibt einen endgültigen wechselseitigen Forderungsverzicht, es gibt auch keine Klage um die Marke." Im gesamten Bericht der Masseverwalter gebe es nirgends auch nur den Funken eines Vorwurfs gegen Van Spaendonck, betonte Großmann.

Vorwürfe an Wirtschaftsprüfer

Er sieht ganz im Gegenteil eine Mitverantwortung der Wirtschaftsprüfer: "Die Bilanz zum 31. März 2004 wurde am 23. September uneingeschränkt bestätigt, samt Eigenkapital von 267.000 Euro." Die Prüfungsgesellschaft hätte Ende Dezember ihren Bestätigungsvermerk allerdings schriftlich widerrufen. Laut Großmann drohen den Wirtschaftsprüfern nun Haftungsforderungen. "Herr Van Spaendonck ist ein Investor, hier in Kärnten hatte er eine Geschäftsführung und einen Wirtschaftsprüfer, auf die er sich verlassen hat", sagte der Rechtsanwalt.

Der Geschäftsführer hätte bereits im Februar 2004 schriftlich Kenntnis von dringendem "Reorganisationsbedarf" gehabt, sagte Großmann. Unternommen hätte er jedoch nichts, deshalb hätten die Masseverwalter nun auch einen Haftungsbetrag von 100.000 Euro eingefordert, der bis 10. März fällig gestellt würde. Fazit Großmanns: "Geschäftsführer und Wirtschaftsprüfer tragen die Verantwortung, mein Mandant aber mit Sicherheit nicht." (APA)

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